Kirchen - mehr als nur ein Teil des Stadtbilds

Dornholzhausen. Von Kirchturm zu Kirchturm fährt man, heißt es. Er ist das erste, was man von einem Dorf sieht, ein Erkennungsmerkmal. Doch Kirchen sind nicht nur ein Teil der Landschaft, sondern auch der Kulturlandschaft. In Brandenburg verfallen viele der alten Bauwerke, das Erhaltungsprogramm der Bundesregierung wurde gestrichen und den Gemeinden selbst fehlt das Geld. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat sich der verfallenden Kirchen angenommen und stellt jetzt mit einer Ausstellung im Gotischen Haus das Problem vor.

Menschen aus Ost- und Westdeutschland haben den Verein vor mehr als 15 Jahren gegründet, um die Instandsetzung und den Erhalt der Sakralbauten zu unterstützen. Von den rund 1600 Kirchen im Land Brandenburg seien knapp 800 "in Not", berichtete Dr. Hans Krag aus dem Vorstand des Förderkreises, "und davon sind wiederum 200 sogar stark bedroht". Und: "Es geht um die Substanz", betonte Krag - nicht darum, die Kirchengebäude wieder als Kirche zu nutzen. Dem Förderkreis seien "die Gebäude an sich wichtig", sie sollen erhalten bleiben und gemeinnützigen Zwecken zukommen.

Ziel des Vereins sei es, die jeweiligen Bürger eines Dorfs mit bedrohter Kirche für die Bedeutung des Gebäudes zu sensibilisieren. Denn die Hilfe für die Kirchen könne der Verein nicht direkt leisten, dies funktioniere letztlich nur mit Hilfe der Bevölkerung. Der Verein helfe, einen Förderverein zu gründen, ein Konzept zu erarbeiten, wie das alte Kirchengebäude sinnvoll genutzt werden könne, und der Verein leiste auch finanzielle Hilfe. So könne, wenn alles gut läuft, aus einer drohenden Ruine ein Jugend- oder Gemeindezentrum, eine Bibliothek oder auch ein Museum entstehen. "Nur für politische Veranstaltungen oder einer Disco steht das Gebäude nicht zur Verfügung", machte Krag klar. Denn auch der christliche Symbolwert solle erhalten bleiben. Der habe nämlich in mehr vierzig Jahren Sozialismus bereits genug gelitten.

"Kein Gebäude prägt ein Dorf so wie eine Kirche", stimmte auch Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) bei der Eröffnung der Ausstellung zu, "sie ist mehr für ein Dorf als nur ein Teil des Stadtbilds". Die Arbeit des Förderkreises lasse "Geschichte erfahrbar werden", so Jungherr. "Mit der Ausstellung möchten wir Sympathien für unsere Arbeit wecken", sagte Krag. Auf mehr als 20 Tafeln können Besucher noch bis zum 16. Juli im Gotischen Haus viel über Fachwerkkirchen, Backsteinkirchen und Feldsteinkirchen und die Arbeit des Förderkreises erfahren.

Die Ausstellung über die Kirchen Brandenburgs ist im Gotischen Haus dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, mittwochs bis 19 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Weitere Informationen über den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg gibt es im Internet unter http://www.altekirchen.de

Taunus Zeitung vom 13. Juni 2006

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