Eichenholz ersetzt Stahlgerüst

Neue Aufhängevorrichtung für die Glocken der Dorfkirche Zollchow

ZOLLCHOW Die Treppe im Glockenturm der Zollchower Dorfkirche ist steil. Über diese Treppe musste Andreas Kupsch sein Werkzeug und Material tragen. "Anders geht es nun einmal nicht", sagte er und kam am Donnerstag bei hochsommerlichen Temperaturen ins Schwitzen, obwohl er solche Arbeiten gewohnt ist. Am Donnerstag begann Andreas Kupsch, der für die Firma Schmidt Glockentechnik Berlin unterwegs ist, im über 15 Meter hohen Zollchower Kirchturm mit Arbeiten am Glockenstuhl.

Kupsch wechselt die Aufhängevorrichtung für die beiden Glocken aus. Die große Glocke wiegt etwa 400 Kilogramm, die kleinere immerhin noch rund 300 Kilogramm. Es sind altehrwürdige Glocken. Zwar tragen sie keine Inschrift, aber Kupsch wie auch Gemeindepfarrer Seydich schätzen, dass beide Glocken aus den Jahren 1350 bis 1400 stammen könnten. Im Turm ist auch die Aufhängung für eine dritte Glocke zu erkennen. Diese wurde vermutlich zu Kriegszwecken eingeschmolzen.

Die beiden vorhandenen Glocken hob der Fachmann am Donnerstagvormittag mit einem Flaschenzug aus ihrer Aufhängung. Danach konnte er damit beginnen, die Aufhängevorrichtung auszuwechseln. Die alte Vorrichtung ist aus Stahl. Wenn sich die Glocken bewegten, geriet diese Stahlaufhängung zum Sicherheitsrisiko. "Im 19. und 20. Jahrhundert hat man die Aufhängevorrichtungen aus Holz durch Stahlgerüste ersetzt", sagte Kupsch.

Die neue Aufhängevorrichtung ist nun wieder aus Eichenholz - und damit sicher. Gemeindepfarrer Seydich hofft zudem, dass die Glocke von der neuen Aufhängevorrichtung noch schöner klingt. Rund 5500 Euro kostet es, die Aufhängevorrichtung auszutauschen. Das Geld wird aus dem Etat der Kirchengemeinde bezahlt.

Die Zollchower Kirche wurde im 13. Jahrhundert errichtet und im Lauf der Zeit mehrmals umgebaut. Im Jahr 1847 brannte der hölzerne Turm ab.

Nach zwei Jahren Bauzeit wurden der Turm und der Westteil des Saales aus Ziegeln fertig gestellt. In der Kirche befindet sich eine Orgel des Wagner-Schülers Gottlieb Scholtze aus dem Jahr 1764. Die Orgel wurde 1994 restauriert. Die Glocken im Kirch-turm werden übrigens elektronisch geläutet. Eine Technik, die es auch in der Dresdner Frauenkirche gibt, weiß Andreas Kupsch. ns

Märkische Allgemeine vom 24. Juni 2006

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