KRÄFTIGER GEBLÄSEMOTOR IN RÄDELER KIRCHE EINGEBAUT / INSTRUMENT KOMPLETT

Jetzt ist die Orgel gut bei Puste

RÄDEL Wenn ihr die Puste ausging, rief der Organist: "Luft, Luft - und zwar so laut, dass man es unten in der Kirche hören konnte." Dann musste sich der kleine Walter kräftig ins Zeug legen und pumpen. Die Orgel mit Luft zu versorgen, war Aufgabe der Konfirmanden. Zumindest bis die Rädeler Orgel in den 70er-Jahren ein elektrisches Gebläse bekam. "Und wir mussten manchmal den Organisten wecken. Dann hatten wir zwar genug Luft, aber er kam nicht in die Gänge." Kirstein ist 1951 konfirmiert worden und bis heute eng mit der Kirchengemeinde verbunden. Der Bäcker- und Konditormeister steht dem Gemeindekirchenrat vor und zählt zu denjenigen, die sich seit Jahren für die Sanierung der kleinen, feinen Kirche in Rädel einsetzen. Am kommenden Samstag gibt es wieder einmal Grund zum Feiern. Nachdem die über 90 Jahre alte Schuke-Orgel im vergangenen Jahr aufwendig restauriert worden war, hat sie jetzt einen neuen Motor bekommen, der sie mit Luft versorgt. Nachdem Kreiskantor Andreas Behrendt beim Festgottesdienst nach der Kirchenrestaurierung gezeigt hat, wie umfangreich das Klangvolumen dieses Instruments sein kann, wenn es genügend Luft bekommt, "haben wir uns für einen größeren Motor entschieden", sagt Kirstein.

Rund 12 000 Euro habe das Orgel-Projekt insgesamt gekostet, mehr als die Hälfte sei von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse gekommen, erläutert Walter Kirstein. Die Potsdamer Firma Schuke habe das beste Angebot vorgelegt, also auch das eigene Instrument auf Vordermann bringen können. Die Rädeler Orgel ist die 82., die Schuke gebaut hat. Sechs Jahre vor Kirstein gehörte Günter Reuter zu den Blasebalg tretenden Konfirmanden. Von der Empore hatte er stets einen guten Blick auf den Altar und die Bibelverse, die an der Wand standen. "Ich kann sie alle noch auswendig", sagt der heutige Ortsbürgermeister. Dieses Wissen ist allein schon deshalb viel wert, weil die frommen Worte in den 70er-Jahren überputzt und übermalt worden sind.

Mit dem stärkeren Motor kann die Orgel leisten, wofür sie gebaut worden ist -, "als Instrument zur Begleitung des Gottesdienstes", betont Kantor Behrendt. Für große Konzerte seien weder die Kirche noch die Orgel gedacht. Um den Gästen der Wiederinbetriebnahme am Samstag einen Eindruck zu verschaffen, will Behrendt vornehmlich das gottesdienstliche Orgelspiel aus der Zeit um 1912 präsentieren. Allmählich neigt sich die Erneuerung des Gotteshauses seinem Ende entgegen. In gut einer Woche soll die Pumpe, die den Friedhof mit Wasser versorgt, aus der Kirche heraus- und in einem Schuppen untergebracht werden. Dann fehle nur noch die Elektrik für die zweite Glocke, berichtet Kirstein. Aber auch das wird den Rädelern gelingen. ei

- Die Einweihung beginnt am Samstag um 17 Uhr.

   Zur Artikelübersicht