Ein Bericht über die Dorfkirche von Rogäsen

Dorfkirche Rogäsen

Noch heute lässt sich in Rogäsen im Landkreis Potsdam-Mittelmark das malerische Ensemble aus Herrenhaus, Dorfkirche und Landschaftspark erahnen – etwas Phantasie muss der Betrachter jedoch aufbringen. Das im Jahre 1750 vom königlich preußischen Hauptmann Gebhard Heinrich von Werder auf einer sanften Anhöhe errichtete und trotz seines Verfalls eindrucksvolle Herrenhaus steht nach seiner Nutzung als Kindergarten in DDR-Zeit und nachfolgendem mehrfachen Besitzerwechsel leer. Der Gutspark ist verwildert und die Dorfkirche eine Ruine.

Das in den Außenmauern erhaltene, sorgfältig geschichtete Feldsteinmauerwerk und zwei auf der Südseite erhaltene rundbogige Portale lassen auf eine Entstehung des Bauwerks in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts schließen, der vorgesetzte Westturm entstand vermutlich einige Jahrzehnte später. Auch spätere Jahrhunderte haben ihre Spuren hinterlassen: im 18. Jahrhundert wurde der Chorbereich verlängert, die Apsis wurde 1898 gemauert und erst um 1920 wurde der massige Turm durch einen schlanken quadratischen Backsteinaufbau erhöht.

Der jetzige ruinöse Zustand des Kirchengebäudes entstand, nachdem 1978 das marode Dach des Kirchenschiffes über Nacht abgetragen wurde. Warum, weiß keiner mehr...

Inzwischen will man sich in Rogäsen mit dem tristen Anblick nicht länger abfinden. Kirchengemeinde, Kommune und Amtsverwaltung luden im vergangenen Jahr Vertreter der Denkmalpflege zu einem ersten Ortstermin ein. Die in Rogäsen geborene, heute in Brandenburg / Havel tätige Architektin Heidrun Fleege erarbeitete ein Konzept zum Sichern der vorhandenen Bausubstanz und zum Wiederherstellen des Kirchenraumes. Begonnen werden soll mit dem Instandsetzen des mit Schiefer gedeckten Turmhelms und dem Ausbau von Turmräumen zu einer Begegnungsstätte. Reste der historischen Ausmalung im Kirchenschiff müssen gesichert werden und irgendwann soll der Sakralraum wieder ein Dach erhalten.

Rogäsen - Stich

Im September 2001 fand im beräumten Kirchenraum erstmals wieder eine Veranstaltung statt. Zum Tag des Offenen Denkmals sang der Eisenbahner-Chor aus dem benachbarten Kirchmöser, Musiker aus Berlin traten auf und Heidrun Fleege stellte ihre Baupläne den trotz regnerischen Wetters zahlreich erschienenen Einwohnern vor.

Visionen sind vorhanden in Rogäsen, erste Förderanträge gestellt. Die Untere Denkmalschutzbehörde und das Brandenburgische Landesamt haben ihr Interesse bekundet. Die neuen Eigentümer des Herrenhauses sollen in die weiteren Planungen zur Gestaltung des Ortsmittelpunktes mit einbezogen werden. Auf einem alten Stich vermitteln die beiden historischen Gebäude des Dorfes in der sie umgebenden Landschaft ein fast südliches Flair. In kleinen Schritten will man sich diesem Zustand wieder annähern. – Wer nicht träumt, ist kein Realist.

Weitere Informationen erhalten Sie über die Evangelische Kirchengemeinde; Pfarrer Lück, Hauptstrasse, 14 789 Wusterwitz und über das Architekturbüro Fleege und Oeser; Tel.: (0 33 81) 2 51 90


 
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