Hunderte bei Kirchenweihe in Sophienthal

Von Silke Müller

 Hunderte bei Kirchenweihe in Sophienthal

Sophienthal (MOZ) Die Sophienthaler Fachwerkkirche, der dritte Kirchenneubau seit dem Zweiten Weltkrieg im Kirchenkreis Oderbruch, ist gestern geweiht worden. Damit wurde erstmals seit den 50er Jahren wieder eine neue Kirche in Dienst gestellt. Bischof Wolfgang Huber nahm die Weihe vor, der mehrere Hundert Menschen beiwohnten. Nur ein kleiner Teil davon konnte in der Kirche am Gottesdienst teilnehmen, die Mehrzahl musste aus Platzgründen den feierlichen Akt auf einer Videoleinwand ­oder vor der Kirche das gesprochene Wort über Lautsprechern verfolgen.

Hunderte waren gekommen. So viele, wie sie niemals in die kleine Fachwerkkirche passen würden, die 42 Plätze hat. Das war wohl auch der Kirchengemeinde Letschin klar, die Bänke vor der Kirche und ein großes Festzelt aufgestellt hatte, in dem jeder per Videoleinwand oder über Lautsprecher die Weihe und den ersten Gottesdienst in der neuen Kirche verfolgen konnte.

Landesbischof Wolfgang Huber nahm zuvor von Zimmermannsmeister Dieter Sawall den Schlüssel zur Kirche entgegen und gab ihn in die Hände des Kirchenratsältesten Ralf Knopke. Dieser symbolische Akt steht für den Bau der neuen Kirche. Sie ist größtenteils in ehrenamtlicher Arbeit errichtet worden, nachdem klar war, dass es für einen Kirchenneu in Sophienthal weder vom Landkreis noch von der Landeskirche Geld geben würde. Am Ende stellte der Kirchenkreis Oderbruch den Sophienthalern 40 000 Euro sowie ein Darlehen über 25 000 Euro zur Verfügung. Mit diesem Geld konnte das nötige Material finanziert werden. Nachdem Zimmermannsmeister Dieter Sawall ehemalige Meisterschüler gewonnen hatte, das Fachwerkgerüst aufzubauen, schlossen sich andere Helfer an. Unter Anleitung von Handwerkern der Region packten viele mit zu, um die neue Kirche gemeinsam entstehen zu lassen. Pfarrer Frank Schneider dankte allen, die dabei geholfen oder die Bauarbeiten unterstützt haben. Dieser Kirchenneubau sei ein Zeichen der Hoffnung, so Schneider.

Er war notwendig geworden, nachdem sich eine barackenähnliche Notkirche als kaum mehr nutzbar erwiesen hatte. Diese wiederum war entstanden, als das Hochwasser 1947 der damaligen Kirche aus dem 18. Jahrhundert zu sehr zugesetzt hatte. Als nur noch ein Abriss der Notkirche denkbar war, schmiedeten die Sophienthaler Pläne für den Neubau. Dass man die neue Fachwerkkirche heute gut und gerne als "Selbstbau-Kirche" bezeichnen kann, macht die Sophienthaler und ihre Mitstreiter, die nach dem Gottesdienst den Tag feierten, zu Recht stolz.

Märkische Oderzeitung vom 28. Mai 2006

s. auch Märkische Allgemeine vom 17. November 2005: Im Oderbruch entsteht der erste Kirchen-Neubau seit Jahrzehnten

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