Des Kirchleins neuer Teint

In das Dorf Zechliner Gotteshaus kehrt wieder frische Farbe und alte Musik ein

JULIANE FELSCH

 Die Kirche von Dorf Zechlin

DORF ZECHLIN Winfried Müller kann es kaum glauben, dass der Dorfkirchensommer begonnen hat. Einen frischen Organisten hat er eingeladen, das Dorf Zechliner Gotteshaus zeigt sich innen neu in hellem Graublau. Nur draußen ist es kalt, die Gäste tragen Jacken. Für den Mai gehört sich das eigentlich nicht. Müller ist Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der Dorfkirche Zechlin und die gute Seele des Kirchleins. Er ist froh, dass es wieder losgeht in der Kirche.

Der Berliner Organist Knut Hoffart eröffnete am Sonnabendnachmittag die Konzertreihe in der Dorf Zechliner Kirche. Über den Luxus im Kirchlein freute er sich: Obwohl beide Orgeln ordentlich verstimmt sind, spielte er sowohl auf der Schuke- als auch auf der Sauer-Orgel Werke von Bach, Buxtehude und Händel. "Sie sind beide sehr wartungsbedürftig", sagte Hoffart mit fast liebevollem Ton.

Er trägt Tennissocken, Hornbrille und eine Windjacke, die vor zugigen Kirchengemäuern schützt. Wenn er sie auszieht, taucht darunter der disziplinierte Musiker auf, der Bachs Fugen trotz ihrer großen Mathematik sehr poetisch spielt. Unsicherheiten umspielt er mit Läufen und Trillern.

Sanierung ist mühsam

So ähnlich macht das auch der Verein zur Erhaltung der Dorfkirche Zechlin. Mit "euch und Sie" begrüßt Winfried Müller vor jedem Konzert die Gäste. Freunde haben die Kirchenpfleger viele. Nur das Geld kommt häufchenweise. "Wir haben gerade wieder 2700 Euro zusammengekratzt", erzählt Müller. Mit dem Geld bekamen die Fensterstreben und -laibungen einen neuen Anstrich in hellem Grau - gemäß den Auflagen des Denkmalschutzes. Auch die Empore und die Deckenbalken sind frisch bemalt. Das Rotbraun ist verschwunden. Helles Blaugrau macht das Kirchlein freundlich.

Nun bröckelt die weiße Farbe an den Wänden. "Sie ist nur provisorisch befestigt worden", erzählt Winfried Müller. Der Verein, der seit 2001 besteht, wartet die Sitzung des Gemeindekirchenrates im Juni ab. Denn ein finanzieller Anschub wäre ein Etappensieg. Hinter der provisorisch angebrachten Farbe verstecken sich nämlich Gemälde. Müller ist sich selbst nicht sicher, welche Schätze dahinter verborgen sind. "Wahrscheinlich wird nur ein Teil der Gemälde freigelegt werden", vermutet er, "aber welche davon, ist noch nicht klar."

Konzerte im Sommer

Mit Benefizkonzerten will sich der Verein auch weiterhin sein Taschengeld aufbessern. Am 17. Juni lädt ab 17 Uhr die Rheinsberger Klezmerband "Frombaer" zum Schwof in die Kirche. Ein Chorkonzert stimmt am 1. Juli bereits ab 16 Uhr auf den Sommermonat und die großen Ferien ein.

Märkische Allgemeine vom 29. Mai 2006

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