Kirche startet Spendenaufruf

Bad Freienwalde (MOZ) Die Evangelische Kirchengemeinde Bad Freienwalde hat einen Spendenaufruf für die Stadtpfarrkirche St. Nikolai gestartet, der auch von Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos) und Landrat Gernot Schmidt (SPD) unterstützt wird. Wie berichtet, ist der Turm akut einsturzgefährdet. Seit 23. Dezember vergangenen Jahres ist er daher für Besucher gesperrt, die Glocken dürfen nicht mehr geläutet werden. Die Kirche benötige kurzfristig 190 000 Euro, um den Kirchturm grundlegend zu sanieren, teilte Pfarrerin Jutta Schmidt mit.

Die evangelische Kirchengemeinde in Bad Freienwalde sei nicht in der Lage, die Sanierung der Kirche aus eigener Kraft zu finanzieren, sagte Pfarrerin Jutta Schmidt gegenüber der MOZ. Mit dem Ausbau des evangelischen Kindergartens an der Georgenkirchstraße, dem Bau einer neuen Heizung in der Kirche sowie der Kirchturmspitze habe sich die Kirchengemeinde in den vergangenen Jahren verausgabt. Den Löwenanteil an den Kosten werde wohl die Landeskirche übernehmen müssen, mutmaßt die Pfarrerin.

Doch auch ohne diese Ausgaben hätte die Kirchengemeinde mit 1600 Bad Freienwalder Gemeindegliedern die Sanierung nicht bezahlen können. Denn die Kassen der Landeskirche sind leer. Daher hat die Kirche ein Spendenkonto eingerichtet und ruft die Kurstädter zu Spenden für die St. Nikolai-Kirche auf.

Daran beteiligen sich auch Stadt und Landkreis, denn mit dem Gotteshaus als Wahrzeichen Bad Freienwaldes identifizieren sich Christen und Nichtchristen. "Die St. Nikolai-Kirche steht nicht nur im Zentrum unserer Stadt, sie prägt auch unser Stadtbild. Sie ist architektonisch, kulturhistorisch und kulturell von hohem Wert. Solch ein Kleinod darf nicht dem Verfall preisgegeben werden", heißt es in dem Spendenaufruf.

Dass der Turm akut gefährdet ist, bestätigte gestern Achim Krekeler, Chef des gleichnamigen Architektenbüros aus Brandenburg/Havel, das sich auf die Sanierung von Kirchen, Schlössern und denkmalgeschützten Gebäuden spezialisiert hat. Er befasst sich schon länger mit der Bad Freienwalder Kirche und stellte im November 2005 den erheblichen Schaden fest, der zur Sperrung des Turms führte. Das Ausmaß sei vor fünf Jahren, als sich der Architekt erstmals eine Woche lang mit der Kirche befasste, so nicht zu erkennen gewesen.

Ursache sei, dass ein vertikal eingebauter tragender Holzbalken durch von außen eingedrungene Feuchtigkeit im unteren Bereich so sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass er jetzt quasi in der Luft hängt. Weil er sich in der Nähe der Glocken befindet, könnten Erschütterungen böse Folgen haben. Deshalb sei vom Bauordnungsamt der Kreisverwaltung das Verbot verfügt worden, die Glocken zu läuten.

Darüber hinaus seien die Eckpfeiler auf dem Turm durch Frost und Regen von Rissen durchzogen, so dass Mauerwerk auf den Marktplatz zu fallen drohe. Ursache sei "ganz normaler Verschleiß", erklärte Krekeler. Schließlich handele es sich um Ziegel. Und die hätten nur eine begrenzte Haltbarkeit.

Spekulationen, wonach bei der Sanierung 1988 fehlerhaft gearbeitet wurde, wies der Architekt entschieden zurück. "Die Sanierung des Dachs mit Ziegeln aus dem Westen löste viele Probleme", erklärte er. "Da sollte man keine Kritik üben, auch wenn man es heute anders machen würde."

190 000 Euro seien kurzfristig notwendig, um die Turm rundum zu sanieren, sagt Pfarrerin Jutta Schmidt und beruft sich dabei auf Fachleute. Zudem benötige die Kirche weitere 460 000 Euro, um das Dach des Kirchenschiffs zu sanieren.

Krekeler will sich nicht auf Zahlen festlegen. "Tatsache ist, dass es eine große Finanzlücke gibt", so der Architekt. "Alle Probleme sind lösbar, doch es muss viel Geld aufgebracht werden." Beim Turm gebe es die Alternative, durch Stützen dem Gebäude vorläufig Halt zu geben. Doch dies sei ebenfalls derart teuer, so dass man das Geld zweimal anfassen müsste, eine Sanierung also auf Dauer preiswerter sei. Derzeit werden Pläne und Unterlagen erarbeitet, um die Fördermittel beantragen zu können.

Spendenkonten: Volks- und Raiffeisenbank Bad Freienwalde, BLZ 170 924 04, Kontonr. 477 877 4; EDG Kiel eG; BLZ 200 602 37, Kontonr. 1 778 770 jeweils unter dem Kennwort "Spende Kirche St. Nikolai". Spendenquittungen sind im Gemeindebüro unter Tel. 03344/36 11 erhältlich.

Märkische Oderzeitung vom 15. März 2006

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