FÖRDERVEREIN FÜR ERHALT DER WOLTERSDORFER KIRCHE HAT SICH GEGRÜNDET

Der Turm bröckelt

CLAUDIA NACK

WOLTERSDORF - Der Bensdorfer Ortsteil Woltersdorf, in dem etwa 275 Menschen leben, ist schön geworden, findet Helmut Scheer. "Aber die Kirche passt noch nicht in dieses schöne Dorf." Damit sich das ändern möge, hat sich vor genau einem Monat der "Förderverein Dorfkirche Woltersdorf" gegründet, dessen Vorsitzender Scheer ist.

Die derzeit elf Mitglieder eint ein großes Ziel: der Erhalt und die Sanierung der 177 Jahre alten Kirche. Sowohl Scheer als auch Pfarrerin Christiane Beutel aus Plaue hoffen, dass der nicht konfessionsgebundene Förderverein schnell ins Register eingetragen wird. Erst dann können Bittbriefe wegen einer Kofinanzierung losgeschickt werden. Der Bedarf ist immens. Die Kirche sei zwar benutzbar, aber in einem baulich schlechten Zustand. Die Kosten zur Beseitigung der Baukörperschäden werden auf 200 000 Euro geschätzt.

Begonnen werden soll noch in diesem Jahr mit der Sanierung des 1886 erneuerten Turms. "An der Konstruktion sind Holzverbindungen marode", erklärt die Seelsorgerin. Wenn nicht bald etwas geschehe, könnte es statische Probleme geben. Mit 60 000 Euro fallen die Kosten für den viergeschossigen Turm aber höher aus als erwartet. Fördermittel seien beim Amt für ländliche Entwicklung in Brieselang, bei der evangelischen Landeskirche und beim Kirchenkreis Brandenburg beantragt. Eine Zusage hat Pfarrerin Beutel noch nicht, ist aber voller Hoffnung. Die Kirchengemeinde selbst hat bisher rund 2000 Euro beisammen. Neben der Kollekte ist dies der Erlös aus dem gemeinsam mit der Kommune im vorigen Sommer veranstalteten 1. Dorfkirchenfest sowie aus der Adventsmusik. Mehr als ein Zehnfaches an Eigenmittel ist laut Pfarrerin Beutel aber nötig. Die angesparte Baurücklage reiche bei weitem nicht. "Daher sind wir froh über den Föderverein und seinen rührigen Vorsitzenden", lobt sie. In einem zweiten Bauabschnitt sollen das Kirchenschiff nebst neuem Putz und als letztes die Innensanierung erfolgen. In ihrem Gotteshaus hatten die Woltersdorfer in den 80ern das Nötigste selbst gemacht.

"Ich habe ja jetzt Zeit", sagt Scheer, der nicht mehr berufstätig ist. Im Gemeinderat hat der Vorsitzende bereits vorgefühlt, deutschlandweit will er Stiftungen und Großbetriebe anschreiben. Auch der Termin für das zweite Dorfkirchenfest steht bereits - einen Tag vor der Europawahl am 12. Juni.

Die 1827 eingeweihte Dorfkirche war als Ersatz für ein aus dem 16. Jahrhundert stammendes Gotteshaus auf Geheiß der Familie von Werder, die damals auch das Patronat über Woltersdorf hatte, errichtet worden. Das an klassizistische Formen angelehnte Gebäude wurde vom Brandenburger Städtebaurat Thümen entworfen. Ungewöhnlich sei seine Nord-Süd-Ausrichtung, so Christiane Beutel, denn normalerweise stehen Gotteshäuser mit dem Altar nach Osten.

"Wichtig ist, dass die Kirche im Dorf bleibt", untermauern die Pfarrerin und der Vereinschef. "Sie ist Wahrzeichen und Dorfmittelpunkt, erzählt Bau- und Ortsgeschichte."

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