Bis Ostern wirdís bunt

Zeuthener Kunstglaser bereitete Einbau der Bleiglasfenster in Kirche vor

CHRISTIAN KRANZ

LINDOW In der Lindower Stadtkirche im Ruppiner Land werden Anfang April die historischen Bleiglasfenster wieder eingebaut. Kunstglaser Bernd Bodlien aus Zeuthen hatte bei den Vorbereitungen eine wichtige Aufgabe.

Er hat die Bleibänder an die 16 Buntglasfelder gelötet. Das ist notwendig, um die Größe der Bleiglasfenster den sich nach innen weitenden Fensterhöhlen der Kirche anzupassen. Die bunten Kirchenfenster stammen aus dem Jahre 1898, sie werden von außen durch Sicherheitsglas geschützt. Der Wunsch der Gemeinde, den Ostergottesdienst mit den historischen Kirchenfenstern feiern zu können, geht damit in Erfüllung.

"Die Fenster werden schon ein paar Tage vor Karfreitag eingebaut sein, damit man die Kirche noch vor dem Fest sauber machen kann", sagt Bernd Bodlien. Der 49-Jährige arbeitet für das Atelier Ilona Berkei in Zeuthen. Die Restauratorin hatte die alten Fenster neu verbleit, nachdem Pfarrer Holger Baum sie vor knapp vier Jahren beim Entrümpeln in einer Garage gefunden hatte. Die Fenster lagen ramponiert und in Holzwolle verpackt in einer Kiste.

Die Bleiglasfenster hatten bis 1960 die Kirche geziert. Dann wurde das Gotteshaus renoviert, die Fenster verschwanden - bis Baum sie 42 Jahre später wiederentdeckte. Die Bundesstiftung Umwelt, die Kulturstiftung der Länder und deren Freundeskreis brachten die 80 000 Euro für die Restaurierung auf. Der Kirchenkreis stellt weitere 23 000 Euro für den Einbau der Fenster zur Verfügung. 2000 Euro haben die Lindower gespendet.

Dann aber verhinderten die Denkmalpfleger lange den Einbau, weil die Bleiglasfenster nicht dem ursprünglichen Zustand des Bauwerks entsprochen hätten. Vor 1898 war die Barockkirche streng lutherisch ausgerichtet: Es sollten keine Bilder angebetet werden. Vor dem Altar stand nur das Kreuz.

Von dieser strengen Auslegung sind die Denkmalschützer im Dezember aber abgerückt.

Märkische Allgemeine vom 29. März 2006

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