Einstiger schiefer Turm wieder mit Krone

Vereinsvorsitzende Sylvia Kort: Es grenzt an ein Wunder - Mittel für 2. Bauabschnitt stehen schon bereit

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Kontze

Jakobshagen. Was Kirchenälteste Erika Schiller seit der ersten Begegnung mit dem Architekten im Herzen trug, wie sie es formulierte, das wurde nun wahr. "Diesen Turm bauen wir wieder so auf wie er war", hatte es Axel Seemann vom Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung Dahlewitz-Hoppegarten einst versprochen - und nicht nur im Gemeindekirchenrat Hoffnung und Zweifel geweckt. Bekannt war das Objekt, in dem sich seit Gründung des Fördervereins zur Rettung der Dorfkirche zu Jakobshagen Ostern 2000 viel Aufmerksamkeit und Initiative bündelt, als "der schiefe Turm von Jakobshagen". Am Sonnabend wurde er feierlich neu bekrönt, mit Kugel, Wetterfahne und Stern. "Was vor ein paar Jahren niemand für möglich gehalten hätte", so Pfarrer Christian Fischer froh, "ist Wirklichkeit geworden. Der schiefe Turm von Jakobshagen ist nicht mehr schief und geht nun seiner Vollendung entgegen."

Es sei vor allem das Verdienst des Fördervereins, dass neues Leben in die Kirche einzog, mit Konzerten, Ausstellungen und Lesungen. Und es sei "seinem Engagement zu verdanken, dass die Sanierung in Angriff genommen wurde". Danken wolle er auch den Geldgebern, der Dr. Oetker-Stiftung, dem brandenburgischen Wissenschaftsministerium, der Landeskirche, dem Kirchenkreis, dem Landesamt für Denkmalpflege, der Gemeinde und dem Förderverein, der mit seinem Eigenmitteln aus kargen Mitgliedsbeiträgen und vielen Spenden "in erheblichem Maße" dazu beitrug, dass mit den Arbeiten begonnen werden konnte. Jedem, der beitrug, gebühre herzlich Dank, im Dorf und außerhalb.

Nahtlos geht es weiter

"Es grenzt an ein Wunder", formulierte es Fördervereinsvorsitzende Sylvia Kort glücklich und sprach damit wohl auch so manchem anderen aus dem Herzen. "Aber Wunder", fügte sie an, "werden auch von Menschen gemacht. Und ein großes Wunder ist, dass - trotz aller Schwierigkeiten - immer wieder eine Lösung gefunden wurde." Anspielung auf das Auf und Ab, auf Schadbilderfassung, Kostenschätzung und täglich aufs Neue deprimierende Inaugenscheinnahme während der Sicherung des Turms und seiner Sanierung im 1. Bauabschnitt.

Die Sicherungsarbeiten am schiefen Turm, daran erinnerte Architekt Axel Seemann, hatten 2001 begonnen. Einsturzgefahr drohte damals. Durchbrüche und Auflager für die Sicherungskonstruktionen wurden hergestellt, teilweise bereits - mit Blick auf die unerlässliche Sanierung - Schwellen und Unterzüge erneuert und Holzverbindungen gesichert.

2002 dann wurde mit dem 1. Bauabschnitt der Turmsanierung begonnen. Dabei seien die geschädigten Holzteile aufgearbeitet bzw. durch neue - mit den alten Querschnitten - ersetzt worden. Den Anschluss habe man, auch das war eine Forderung der Denkmalspflege, mittels traditioneller zimmermannsmäßiger Verbindungen hergestellt. Zum Teil seien auch schon Schiefer- und Maurerarbeiten ausgeführt worden. Den Kostenaufwand für den 1. Bauabschnitt, der nun mit dem neuen Turmschmuck im wahrsten Sinne des Wortes gekrönt wurde, bezifferte Seemann auf 120 000 Euro.

Die Arbeiten am Turm seien damit jedoch noch nicht beendet. Und auch am Kirchenschiff gebe es noch viel zu tun. Umso erfreulicher sei, dass man nun gleich den 2., den abschließenden Bauabschnitt zur Turmsanierung nahtlos in Angriff nehmen könne. 60 000 Euro seien dafür im Rahmen des Kirchenstaatsvertrages bereitgestellt worden. In einem 3. Bauabschnitt dann müssten Dachkonstruktion und Eindeckung in Angriff genommen werden.

 

   Zur Artikelübersicht