BITTBRIEFE NICHT VERGEBENS GESCHRIEBEN

Mit der Sanierung der Woltersdorfer Kirche soll es bald losgehen / Förderverein besteht ein Jahr

CLAUDIA NACK

WOLTERSDORF Der Woltersdorfer Taufengel hat vor Ostern ein vorübergehendes Asyl im Depot des Landesdenkmalamtes in Wünsdorf gefunden. Pfarrerin Christiane Beutel schwärmt von seinem hübschen Gesicht. Ansonsten ist die vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammende Holzfigur stark beschädigt.

Da der Taufengel keine Arme mehr hat, kann er auch keine Taufschale mehr halten. Nur Gesicht und Rumpf sind erhalten. In der auf Geheiß von Patronin Caroline Elisabeth Gottliebe von Werder vor fast 180 Jahren errichteten heutigen Woltersdorfer Kirche schwebte der Götterbote wohl nie. "Sonst wäre er entweder im Lagerbuch oder in der Chronik erwähnt", überlegt Christiane Beutel, "es muss sich um Reste aus dem romanischen Vorgängerbau handeln." Vor vier Jahren entdeckte sie das Fragment auf dem Boden des Woltersdorfer Gotteshauses. Zwischen anderen ausrangierten Teilen. "In Wünsdorf wartet der Taufengel nun darauf, dass er eines Tages in der dann restaurierten Kirche wieder schweben kann, falls uns für ihn Geld zufliegen sollte", sagt die Pfarrerin.

In greifbare Nähe ist dagegen der erste von drei geplanten Bauabschnitten gerückt. Um alle Schäden am sakralen Baukörper zu beseitigen, werden laut Gutachten 200.000 Euro nötig sein. Woltersdorfer Bürger hatten ihre Dorfkirche zu DDR-Zeiten vor dem Verfall gerettet, indem sie selbst Hand anlegten.

"Im Frühsommer könnte es losgehen", sagen die Pfarrerin und Helmut Scheer, der Vorsitzende des vor einem Jahr gegründeten konfessionslosen Fördervereins. "Sobald die Zusage vom Kulturministerium da ist und die Ausschreibungen erfolgt sind." Der Antrag auf vorzeitigen Baubeginn sei gestellt. Anders als ursprünglich geplant, soll aber nicht mit dem 1886 erneuerten Turm begonnen werden, sondern mit der Dachkonstruktion von Turm und Kirchenschiff. Denn die Deckenbalken sind stark beschädigt, vor allem die Auflagerung ist marode und muss dringend saniert werden. "Erst als die Dielen aufgenommen waren", erzählt Christiane Beutel, "trat das ganze Ausmaß des Schadens zutage." Für diesen ersten Abschnitt sind 47.000 Euro veranschlagt, die zur Hälfte über den so genannten Staat-Kirche-Vertrag gefördert werden. "Der erlösende Anruf erreichte uns Anfang März vom kirchlichen Bauamt aus Berlin", so die Pfarrerin freudestrahlend. Die andere Hälfte sind Eigenmittel der evangelischen Landeskirche, vom Kirchenkreis Brandenburg, von der Gemeinde selbst. Darin enthalten ist der Erlös des mit der Kommune veranstalteten Dorfkirchenfestes und das durch den "Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" vergebene Startkapital.

"Die Arbeit hat sich gelohnt", blickt Scheer auf das einjährige Bestehen des 13 Mitstreiter zählenden Fördervereins zurück. "Er ist ein guter und konsequenter Bittbriefeschreiber", sagt die Pfarrerin über den Vorsitzenden. An die hundert habe er bisher verfasst. Auch wenn die meisten Antworten abschlägig sind, zahlt sich Scheers Hartnäckigkeit aus. Neben kleineren Spenden sei es gelungen, die Rudolf-August Oetker Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege in Bielefeld als Hauptsponsor zu gewinnen. Auch die Mittelbrandenburgische Sparkasse sicherte sowohl für die Sanierung des Gotteshauses ihre Unterstützung zu als auch für die Orgel. "Prospektpfeifen wurden schon im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen, aber danach war sie noch bespielbar", erzählt Christiane Beutel. Seit Jahrzehnten aber sei das Instrument leider stumm. Ursprünglich wollte man es durch die allerdings zu große Briester Orgel ersetzen, doch inzwischen haben Experten den wahren Wert des 1872 von der Hallenser Firma Wäldner erbauten Instruments erkannt. Wenn am Ende auch das Innere der Woltersdorfer Kirche hergerichtet sein wird. soll die Orgel wieder klingen.

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