Kein Rascheln, kein Klopfen

Turmkugel der Nassenheider Kirche ohne historische Dokumente

DAVID C. LERCH

NASSENHEIDE "Dieses Mal schaffen wir es." Pfarrer Peter Krause gab sich optimistisch. Nochmal wollte er die Abnahme der Turmbekrönung mitsamt Turmkugel an der Kirche in Nassenheide nicht verschieben. Ursprünglich vorgesehen war der 20. Oktober, doch das Unterfangen gestaltete sich schwieriger als erwartet. Am Montag war es nun so weit.

Um genau 15.53 Uhr war die Turmkugel abmontiert. Mit vereinten Kräften lösten Architekt Siegfried Ismer und sein Helfer Jörg Dummer von einem Kran aus die Eisenbeschläge, mit denen die Kugel an der hölzernen Bekrönung befestigt war und zogen die Kugel zur Seite. Holzsplitter und Dreck wirbelten durch die Luft und flatterten um die 25 Meter hohe Kirchturmspitze.

Die Aktion wurde auf das genaueste beobachtet. Pfarrer Krause mit Video- und Ismer mit Digitalkamera hielten den geschichtsträchtigen Moment für die Nachwelt fest. Etwa 50 Bürger verfolgten das Geschehen.

Danach ging es schnell. Der Kran brachte Bekrönung, Kugel und Wetterfahne auf die Erde, alles wurde der wartenden Menschenmenge präsentiert. Besonders interessant war natürlich die Kugel, deren Inhalt im Vorfeld zu munterem Rätselraten geführt hatte. Erwartungsfroh schüttelten Krause und Ismer die Kupferkugel, doch es passierte nichts. Kein Rascheln, kein Klopfen, nichts. Ein genauer Blick brachte Gewissheit: Die Kugel ist leer.

Üblicherweise finden sich in Turmkugeln Dokumente wie etwa Briefe, Zeitungen oder Münzen. Für die leere Kugel in Nassenheide hatte Experte Ismer eine einfache Erklärung: Etwaige Dokumente könnten von Anobien aufgefressen worden oder zu Staub zerfallen sein. Möglich ist auch, dass Dokumente bei einem Umbau der Kirche, die 1886 erbaut worden war, entfernt wurden. Dieser hat wohl 1928 stattgefunden, vermutet Ismer, weil das Ziffernblatt der Uhr so datiert ist. Dass es überhaupt einen Umbau gab, folgert er aus einer überraschenden Entdeckung. Die stark poröse Ummantelung der Bekrönung war aus Zink - und nicht aus Kupfer. Das sei auch der Grund für den schlechten Zustand der Bekrönung. "So ist es fast ein Wunder, dass die Bekrönung nicht abgefallen ist", stellte Dummer fest.

Märkische Allgemeine vom 01. November 2006

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