Schiefer Kirchturm von Jakobshagen wird "gerichtet"

Nahziel ist die Sanierung der Tragkonstruktion

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Kontze

Jakobshagen. Die Einheimischen sind vom Jakobshagener Kirchturm gewohnt, dass er etwas aus der Rolle fällt. Der Granatbeschuss im letzten Weltkrieg muss ihn endgültig in bedrohliche Schieflage gebracht haben. Und nun steht er gewissermaßen barhäuptig da, die leere Spitze wird nur von einem Baugerüst umschlossen.

Hinter dem aber, im Innern des Fachwerkes, haben die Zimmerleute um Vorarbeiter Gerfried Fieweger von der Denkmalpflege Prenzlau GmbH Hochkonjunktur. Nach der Notsicherung des Turmes im vergangenen Jahr konnte der Förderverein zur Rettung der Kirche erneut aufatmen - über den Sanierungsbeginn.

Nun soll, wie von Susanne Hofmann vom ibs-Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung Dahlwitz-Hoppegarten zu erfahren war, "die Tragkonstruktion des Turmes wieder aufgerichtet werden". Das sei "finanziell abgesichert", durch Gelder vom Förderverein, von der Kirchengemeinde und "wesentlich aus dem Staatskirchenvertrag und von der Landeskirche", wie Pfarrer Christian Fischer informiert. Man hoffe, fügt Architektin Hofmann an, noch in diesem Jahr fertig zu werden mit dem Holzfachwerk. Übrigens solle dabei auch die Glocke wieder nach oben gehoben werden, auf ihre angestammte Ebene. Eingehängt werden und läuten könne sie dann freilich aber noch nicht. Rund 100 000 Euro werden, nach bisherigen Kalkulationen, für die Sanierung des Kirchturmes benötigt. Und diese Summe, schränkt Fördervereinsvorsitzende Sylvia Kort ein, werde "nicht ausreichen um den Glockenstuhl zu sanieren, die Glocke wieder einzuhängen und den Turm mit Schiefer einzudecken". Das stehe fest. Deshalb müsse man "auch künftig fleißig weiter sammeln, um Spenden bitten".

Alte Handwerkskunst

Der Turm des Jakobshagener Gotteshauses hatte sich, ist von der Architektin noch zu erfahren, bereits bedrohlich geneigt - um etwa einen Meter, in Richtung Südwest. Die Westschwelle war weggefault und das Oktogon, der achteckige Schwellenkranz unter der Laterne, arg in Mitleidenschaft gezogen. Die Deckenbalken, sagt die Architektin, "sind komplett hinüber" und stellt im gleichen Atemzug klar, dass es sich "nicht um Bauteilversagen durch statische Probleme" handele - "es sind alles Holzschutzschäden". Der Fachmann spricht von Destruktionsfäule. Beim Ersatz des schadhaften Holzes, ist noch zu erfahren, werde von den in der Bausanierung versierten Zimmerleuten übrigens danach getrachtet, "die alten Verbindungsmittel beizubehalten", solche traditionellen Zimmermannsverbindungen wie stehendes Blatt mit Holznägeln, Stabdübel und anderes mehr. Das freilich sei "sehr aufwändig, ohne Frage".

 

   Zur Artikelübersicht