Unter dem Paneel schlummern Wolken

Vertreter des Denkmalschutzes inspizierten Deckenmalerei in der Bendeliner Dorfkirche

DOROTHEA VON DAHLEN

BENDELIN Moderne dunkle Holzpaneele verkleiden die Decke der Bendeliner Kirche. Was sich darunter verbirgt, weiß niemand aus der Gemeinde so genau. Als die historische Orgel vor einiger Zeit bei Reinigungsarbeiten ausgebaut werden musste, entdeckte Pfarrer Hans-Dietrich Kübler, dass die Decke an der nun frei gewordenen Stelle eigenwillige Muster aufweist.

Diana Kleis hielt alles fotografisch fest. Als Fachfrau in Sachen Wandmalereien nahm Restauratorin Barbara Fuchs den überraschenden Fund in Augenschein. Ihr zufolge stammt die Malerei wohl aus der Barockzeit. Bei dem freigelegten Teil des Bildes könne es sich um Wolken handeln. Ob das Gemälde noch im Ganzen erhalten sei, das lasse sich nur mit Hilfe mehrerer Stichproben feststellen, sagte sie.

Um zu klären, ob es Möglichkeiten gibt, das Wandbild zu erhalten und in größerem Umfang freizulegen, holte sich Pfarrer Kübler Rat von den Behörden ein. So reiste unlängst Georg Frank, Gebietsreferent des Landesamtes für Denkmalpflege, aus Wünsdorf an, vom Landkreis Prignitz fand sich Ortrud Effenberger ein. Gemeinsam inspizierten sie die unter dem Orgelkasten sichtbare Malerei. Nach Einschätzung von Georg Frank könnte es sich um eine Darstellung des Auge Gottes handeln, das auf Wandbildern, wie von einem Strahlenkranz umgeben, am Himmel steht. Dies sei in einigen Kirchen der Region zu finden. Die Kirchengemeinde müsse aber selbst entscheiden, ob sie die Decke freilegen lassen wolle. Das sei nämlich mit großen Kosten verbunden. Ortrud Effenberger machte darauf aufmerksam, dass die Kirchengemeinde in diesem Fall auch dafür sorgen muss, das dann offen liegende Wandbild entsprechend zu schützen. Schließlich sei es dann den Witterungseinflüssen ausgesetzt. Die Frage, ob das Gebäude möglicherweise wegen feuchter Stellen saniert werden müsse, damit die Malereien nicht zu Schaden kommen, verneinten Pfarrer Kübler und Barbara Fuchs. Das Raumklima sei sehr gut, so dass es keine Schäden gebe.

Restauratorin Fuchs schlug als Alternative zur kompletten Restaurierung vor, kleine Sichtfenster an Decke und Wänden zu öffnen, um die Wandmalerei analysieren und genau datieren zu können. Anschließend könnten die Stellen durchaus sichtbar bleiben, damit der Besucher die historische Entwicklung der Kirche mit ihren Umbauten in den verschiedenen Epochen nachvollziehen könne. Denkbar sei auch, die originalen Malereien unangetastet zu lassen und das Innere der Kirche nur mit den für jene Zeit typischen Farben auszumalen. Laut Ortrud Effenberger wurde dieses Verfahren auch im Rathaussaal von Wittenberge angewandt.

Abschließend einigten sich alle darauf, dass die Kirchengemeinde ein Angebot zur restauratorischen Beprobung der Malerei einholen soll, um letztlich eine Entscheidung fällen zu können. "Dann treffen wir uns alle noch einmal und unterhalten uns über die Finanzierung", sagte Frank.

Märkische Allgemeine vom 06. Oktober 2006

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