Schönheitskur für Gotteshaus

Sanierung der Ruhlsdorfer Dorfkirche vorläufig abgeschlossen

JOSEF DRABEK

 Ruhlsdorfer Kirche

RUHLSDORF Am östlichen Ende des Dorfangers erhebt sich oberhalb des Gutsteiches die vom alten Friedhof umgebene Ruhlsdorfer Kirche. Das verlandete Gewässer ist ein Verlust für den Ortskern und ein Gewinn für das Gotteshaus, das kaum noch unter Feuchtigkeit leidet. Wegen dieser und anderer Probleme musste das Sakralgebäude wiederholt verändert, umgebaut und ergänzt werden. Die vorläufig letzten, sechs Jahre dauernden Sanierungsarbeiten wurden vor kurzem abgeschlossen und mit einem Festgottesdienst gewürdigt (MAZ informierte).

Die Sanierungsarbeiten kosteten insgesamt 95 000 Euro, wie Axel Strohbusch, rühriger Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, wissen ließ. Das Geld brachten der Förderverein der Kirchengemeinden Teltow und Ruhlsdorf e. V., die Stiftung der Evangelischen Darlehensgenossenschaft, der Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf, der Landkreis Potsdam-Mittelmark und die Gemeindemitglieder auf. Sie sammelten eingedenk des ersten Petrusbriefes : "Und auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geistlichen Hause".

Begonnen wurde im Jahre 2001 mit der Instandsetzung der Glasfenster und ihrer Rahmen, der die Restaurierung der Kanzel folgte. Das wunderschöne Prinzipalstück mit den Bildern des Erlösers und der vier Evangelisten hatte der Kurfürstlich Brandenburgische Rat Sebastian Müller 1594 "gott zu ehren und diser kirche zier" setzen lassen.

Im Jahre 2004 wurden dann die steilen Satteldächer samt Gauben umgedeckt, fehlende oder schadhafte "Klosterbiber" durch neue ersetzt, Traufgesimse restauriert und Blitzableiter komplettiert. Im Jahr darauf erhielten Bänke und Türen nach tischlermäßiger Instandsetzung und der gesamte Innenraum einen neuen Anstrich. Nun sind die beiden gemalten Weihekreuze mit den stilisierten Lilienmotiven deutlicher sichtbar. Holzschutzmaßnahmen im Turm und Schwammsperre im Westgiebel schlossen diese Bauphase ab.

Zu den letzten Maßnahmen zählte die Sicherung der äußeren Putzreste aus der Bauzeit und das Schließen aller Fugen, wodurch die Fassaden wieder eine gleichmäßige Struktur erhielten. Den Abschluss bildete das Einputzen der Fensterleibungen und -faschen, wobei freie Stellen den vorherigen Zustand dokumentieren.

Obwohl die Arbeiten ihren vorläufigen Abschluss fanden, sind weitere angedacht. Dazu zählt die Gestaltung der Gutsloge, die in der 40er Jahren dem Kindergottesdienst diente, zur Zeit Abstellraum ist und für Ausstellungen genutzt werden könnte. Die Uhr bräuchte eine neue Steuerungsanlage und der alte Friedhof einen neuen Zaun. Ihn wieder mit Feldsteinen einzufrieden, wäre schön, aber wohl kaum finanzierbar.

Das Gotteshaus entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wahrscheinlich als Ersatz für ein Holz- oder Fachwerkkirchlein. Zisterzienser und Kolonisten bauten ein einschiffiges Langhaus und einen eingezogenen Rechteckchor, der wohl einen Apsissaal ersetzte, wie der spätromanische Triumphbogen vermuten lässt. Die Mauern aus behauenen Granitfindlingen und die steinsichtigen Putze, die teilweise aus der Entstehungszeit stammen, veranschaulichen über 700 Jahre altes Baugeschehen.

Im 15. Jahrhundert mussten die Giebel neu aufgemauert werden, und während der Renaissance veränderte man Zahl und Anordnung der Fenster, die größer und rundbogig gestaltet wurden. In dieser Zeit verschwand auch die Priesterpforte an der Nordseite. Ein Blick auf die Fassaden lässt diesen Teil der Baugeschichte augenfällig werden.

An der Westseite dokumentiert einen lateinische Inschrift mit der Jahreszahl 1759 den Anbau des viereckigen verputzten Turms mit dem Eingang zur Patronatsloge. Das Jahr 1785 in der Windfahne auf der mit Kupfer gedeckten "Laterne" belegt seinen Wiederaufbau nach dem Blitzeinschlag des Vorjahres. Damals war der Westturm bis auf Schiffshöhe abgebrannt, wobei die drei Bronzeglocken geschmolzen sind. 1828 wurden sie durch zwei neue ersetzt, wovon eine dem ersten Weltkrieg zum Opfer fiel. An ihre Stelle trat 1925 eine Stahlglocke, deren Nachfolgerin aus dem Jahr 1981 stammt.

Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre fanden umfangreiche Veränderungen statt, deren Kosten sich auf insgesamt 53 591,79 RM beliefen. Der Abbau der östlichen Orgelempore ermöglichte das Aufbrechen und Verglasen der dahinter befindlichen Fenster und ihre Wiederherstellung als Dreiergruppe. In dieser Zeit entstand auch die neue Vorhalle mit steilem Satteldach, die Heizkeller und Nordempore beherbergt. Hier fand die Sauer-Orgel nach einer Zwischenstation auf der Südempore ihren Platz, bis sie in den 60er Jahren abgerissen und durch ein modernes Instrument im Schiff ersetzt wurde.

Märkische Allgemeine vom 10. Oktober 2006

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