Förderung für Kirchturm steht

Bad Freienwalde 
Blick auf den Kirchturm:
Ende November sollen die Sanierungs-
arbeiten beginnen.

Bad Freienwalde (MOZ) Ob die Glocken der Stadtpfarrkirche "St. Nikolai" zu Weihnachten wieder läuten, weiß heute niemand. Pfarrerin Jutta Schmidt hat die Hoffnung noch nicht verloren. Die Ausschreibung in einer Fachzeitschrift sei erfolgt. Seit vergangenen Montag erhalten die Firmen die Unterlagen, um ihre Angebote abgeben zu können. Allerdings benötige die Kirche noch Spenden, um den Eigenanteil zu sichern. 26 342,80 Euro seien bisher zusammengekommen. Insgesamt müsse die Evangelische Kirchengemeinde Bad Freienwalde 180 000 Euro aufbringen.

Der Schock kam am Heiligen Abend 2005. Erstmals seit dem 17. Jahrhundert hatten in Bad Freienwalde zu Weihnachten keine Glocken mehr geläutet, wie Oderlandmuseumsleiter Reinhard Schmook ermittelte. Grund dafür war eine Ordnungsverfügung des Bauordnungsamtes des Landkreises Märkisch-Oderland. Bei Androhung eines Zwangsgeldes in Höhe von 2000 Euro wurde ab sofort das Läuten der Glocken verboten. Der Grund war, dass der hölzerne Glockenstuhl aus dem Jahr 1867, der auch das Turmdach trägt, nicht mehr standsicher ist. Feuchtigkeit war eingedrungen und hatte die hölzernen Balken beschädigt. Weiteres Glockengeläut hätte den Einsturz des Turms provoziert.

Pfarrerin Jutta Schmidt geht nach bisherigem Stand der Dinge davon aus, dass die Bauarbeiten am Kirchturm Ende November beginnen können, wenn das Ausschreibungsprozedere abgeschlossen ist. Als erste Baumaßnahme sei vorgesehen, die betroffenen Balken im Glockenstuhl auszuwechseln, berichtete die Pfarrerin. Ferner werden die vier Türmchen am Turm abgenommen, weil dort das Mauerwerk bröckelt und sie herunterzufallen drohen. Dann könne die Absperrung weggenommen werden. "Der Kirchturm wird in dieser Zeit etwas merkwürdig aussehen", so die Pfarrerin. Denn zu Weihnachten werden die Türmchen noch nicht wieder aufgebaut sein.

Die Gesamtkosten der Sanierung seien mit 670 000 Euro für alle drei Bauabschnitte veranschlagt, erklärte die Pfarrerin. Die Bad Freienwalder Kirchgemeinde müsse davon 182 000 Euro aufbringen. Von dem großen Batzen in Höhe von 488 000 Euro seien alle Zusagen für Fördermittel erteilt worden, sagte Jutta Schmidt erleichtert.

40 Prozent der Summe übernehme das Land, erläuterte die Bad Freienwalder Pfarrerin. Den restlichen Anteil der Zuschüsse teilen sich Kirchenkreis und Landeskirche.

Die Eigenmittel werden zum einen durch Spenden finanziert und zum anderen durch Kredite. "Je mehr Spenden wir erhalten, umso weniger Kredite müssen wir aufnehmen", machte die Pfarrerin eine einfache Rechnung auf. Deshalb hofft sie nach wie vor auf weitere Einnahmen, um den Kreditrahmen möglichst niedrig zu halten.

Der Kirchturm, der 1518 bis 1522 erbaut wurde, war immer wieder das Sorgenkind. Schon 1584 wurde er vom Blitz getroffen, wobei die Spitze erstmals abbrannte. 1637 zerstörte ihn erneut ein Feuer, dessen Ursache nicht bekannt ist. Um 1867 brannte die Turmspitze ein drittes Mal. Wieder hatte ein Blitz den Turm getroffen.

Neben dem Turm bedarf auch das Kirchenschiff einer Sanierung. Vor allem der Dachstuhl muss erneuert werden.

Märkische Oderzeitung vom 12. Oktober 2006

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