UNTERS KIRCHENDACH GESTIEGEN

Balkenköpfe und Sparrenfüße des Woltersdorfer Gotteshauses erneuert

CLAUDIA NACK

 Dorfkirche Woltersdorf

WOLTERSDORF Der Dachstuhl der Denkmal geschützten Woltersdorfer Kirche sieht wieder wie ein ordentlicher Dachstuhl aus. Pfarrerin Christiane Beutel strahlt durch ihre Brille, während ihre Füße auf den neuen Bodendielen wieder sicher stehen – Rauspund sagt der Fachmann dazu. Ein erster Blick lässt nicht erahnen, wie massiv die unter dem Dach des Woltersdorfer Kirchenschiffes in den vergangenen Wochen stattgefundenen Reparaturen waren.

„Alle Balkenköpfe und Sparrenfüße mussten erneuert werden“, erklärt Holzgutachter Jürgen Wagner aus Brandenburg. Exakt 30 Stück. Denn in dem Gutachten, das Wagner zuvor erstellt hatte, kam er zu einem erschreckenden Ergebnis: Das gesamte Gesimsmauerwerk und damit die Balkenköpfe und Sparrenfüße waren durch den echten Hausschwamm in Mitleidenschaft gezogen. Im Laufe der Jahre war durch das undichte Dach Wasser eingedrungen. Die sich ausbreitende Feuchte bot diesem Pilz ideale Bedingungen. „Die Mauerlatte, auf der die Deckenbalken aufliegen, musste herausgenommen werden“, ergänzt Architektin Heidrun Fleege. Sie sei vom Hausschwamm total befallen gewesen. „Dadurch“, erklärt der Woltersdorfer Maurermeister Jürgen Peijan, „musste das gemauerte Traufgesims völlig abgetragen, entsorgt und erneuert werden.“ Seit September haben Peijans Männer Hand in Hand mit dem Trupp der ebenfalls ortsansässigen BB-Zimmerei von Hartmut Wolter gearbeitet. Während die hölzerne Dachkonstruktion des Kirchenschiffes denkmalgerecht repariert ist, folgen in den nächsten Tagen in der Apsis noch kleinere Sachen. „Dort sind die Schäden nicht ganz so massiv“, sagt Wagner. Durch eine so genannte Bohrlochtränkung sollen die hölzernen Balkenköpfe gegen Schädlinge immun gemacht werden. Neben Wagner, dem beauftragten Architekturbüro Fleege & Oeser war auch das Statikbüro Winkelmann aus Brandenburg an dem Projekt beteiligt.

In der nächsten Woche soll dieser 47000 Euro teure erste Bauabschnitt, der mit Hilfe des Staat-Kirche-Vertrags und kirchlicher Eigenmitteln finanziert werden konnte, abgeschlossen sein. Dann fällt außen am fast 200-jährigen Gotteshaus auch wieder das Gerüst. Es war nötig, weil Peijans Leute die Dachrinne provisorisch abstützen mussten. „Im Zusammenhang mit dem Abtragen des Gesims hing sie zwischenzeitlich in der Luft.“

Die Pfarrerin hofft, dass 2005 noch ein paar Holzarbeiten im Turm möglich werden. Schallluken und Fenster sollen repariert werden. Großes Ziel bleibt es, in den nächsten Jahren auch die anderen Schäden der 1827 in klassizistischen Formen gebauten Dorfkirche zu beheben, die als eine der wenigen nicht gen Osten, sondern Norden ausgerichteten ist. Das Dach soll neu eingedeckt, Schiff und Turm neu verputzt werden. Da insgesamt rund 200000 Euro nötig sind, gilt es mit Hilfe des Fördervereins noch einige Finanztöpfe aufzutun.

„Es war schön, die Arbeit gleich um die Ecke zu haben und zum Erhalt unseres Wahrzeichens beizutragen“, sagt Peijan und gibt damit auch Wolters Meinung wieder, der wie Peijans Frau im Förderverein ist. Sensationelle Funde machten die Handwerker zwar nicht, sind am Gebälk aber auf viele Spuren ihrer Vorgänger gestoßen. „Gedielt 1886“ steht zum Beispiel auf einem Spannriegel. Auf einem anderen „gerichtet 1868“. Damals sei die Kirche vergrößert worden. Davon, dass später Genossenschafts-Handwerker ihr Dach deckten, zeugt die Bleistift-Inschrift: „Letzte Baustelle der LPG 1990.“ Architektin Fleege kann sich bildlich vorstellen, wie fatal der Zustand der Dorfkirche ohne die Reparaturen der Woltersdorfer zu DDR-Zeiten heute wäre.

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