Text: Nordkurier / Prenzlauer Ausgabe vom 18. 10. 2002; Fotos: Bernd Janowski

Schicksal von Malchows Kirche noch offen

Experten nehmen Gotteshäuser der Uckermark ins Visier - Richtfest in Küstrinchen gibt Grund zum Feiern

Von unserem Redaktionsmitglied Monika Strehlow

 Dorfkirche Malchow Dorfkirche Malchow - Patronatsloge
Reste der PatronatslogeGroßbildansicht
Dorfkirche Malchow - Innenraum
Dorfkirche MalchowGroßbildansichtInnenraum von WestenGroßbildansicht

Uckermark. Für eine kurze Stunde wurde gestern die vormittägliche Ruhe der in der Malchower Kirche wohnenden Eule gestört. Der Nachtvogel hatte es sich in den desolaten Überresten der Orgel bequem gemacht, rettete sich aber vor der lärmenden 15-köpfigen Gruppe, dicht unter der löchrigen Zwischendecke abstreifend, durch ein kaputtes Fenster ins Freie.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hatte anlässlich des Richtfestes an der Kirche in Küstrinchen (Altkreis Templin) seinen Vorstand zur Rundreise durch die Uckermark eingeladen. An der ersten Station, in Malchow, mischte sich in das Entsetzen über den Zustand des 1251 bis 1300 errichteten Sakralbaus auch Erstaunen über die wertvollen Details. Klaus Herrmann, Baudirektor a.D. sowie Mitbegründer und Vorsitzender der "Stiftung Maßwerk", verwies auf die im ursprünglichen Zustand erhaltenen gotischen Fensteröffnungen. Die Ausstattung sei gegenüber vielen anderen ausgeraubten Kirchen noch reichlich vorhanden.

Vor Vandalen schützen

Dennoch: Göritz's Kirchenältester Friedrich Ninnemann - der Malchower Kirchenrat ist verstorben - berichtete von den Anstrengungen, mit denen das Gotteshaus vor Vandalismus geschützt wurde. Er sei 1972 nach Göritz gekommen. Schon damals war die Malchower Nachbarin baufällig, in den 70er Jahren schließlich von der Kirche aufgegeben worden. Jugendliche hätten vor Jahren die Orgel zerschlagen, am Holzaltar fehlen die geschnitzten Ornamente, die Patronatsloge wie das Gestühl seien von endgültigem Verfall bedroht, die Decke sei nicht mehr zu retten, doch der Dachstuhl noch gesund.

Ein schwerer Stand. Doch der Landkreis Uckermark habe noch keine Kirche einfallen lassen, das komme auch für die Malchower nicht in Frage, machte Axel Kempert, Sachgebietsleiter der unteren Denkmalpflege, die Zielrichtung deutlich. Der Kirchenkreis habe viele andere Sorgen, wenige Meter weiter zeige sich die Göritzer Kirche auch angeschlagen, machte Pfarrer Thomas Dietz deutlich. "Doch wir werden uns dem nicht entgegenstellen, wenn hier etwas geschehen sollte." Einig waren sich schließlich alle, dass Klarheit über eine künftige Nutzung bestehen muss, bevor hier in die Sanierung investiert werden kann.

Hoffen auf Förderung

Dorfkirche Blindow Dorfkirche Blindow - Altaraufsatz 
Dorfkirche BlindowGroßbildansichtHölzerner Altaraufsatz von 1601Großbildansicht

Drei Dörfer weiter, in Blindow, wurde mit dem Erntedankfest vor zwei Jahren der letzte Gottesdienst in der Kirche gefeiert. Seitdem zieht die Gemeinde meist in die Gaststätte. Der Förderverein Blindower Dorfkirche will den Sakralbau wieder nutzbar machen. "Seit 1994 flossen rund 58 000 Euro in Bausicherung und Dachstuhl", erklärte Vereinsmitglied und Architekt Olaf Beckert gegenüber dem Uckermark Kurier.

Nach der jüngsten Beratungsrunde mit dem Landesdenkmalamt und dem brandenburgischen Konsistorium hegt der Förderverein berechtigte Hoffnung auf eine Mischfinanzierung, an der sich 2003 Landkreis, Kirchenkreis, Landesdenkmalamt, Konsistorium und die Deutsche Stiftung Denkmalpflege beteiligen wollen. Bis zu 120 000 Euro sind für die Komplettsanierung von Dach und Dachstuhl notwendig.

Der Expertenrunde hatten sich viele Blindower hinzugesellt, die hören wollten, welche Unterstützung es geben wird. Denn der echte Hausschwamm stellt eine Bedrohung für die Ausstattung dar. Besonders wertvoll sind hier der Altar und die Kanzel aus dem 17. Jahrhundert. Mit dem Sandstein-Taufbecken aus dem 14. Jahrhundert verfügen die Blindower über ein ganz besonders seltenes Stück. Noch in diesem Jahr soll an der Empore eine Sofortmaßnahme dem Schwamm weiteren Einhalt gebieten, informierte Olaf Beckert.

 Dorfkirche Gollmitz - Innenraum Dorfkirche Gollmitz - Fenster
Innenraum der "Wehrkirche" GollmitzGroßbildansichtFenster an der AltarseiteGroßbildansicht

Gollmitz war - als ein erfolgreiches Beispiel - letzte Station vor dem Richtfest in Küstrinchen. Der Freundeskreis Wehrkirche müht sich seit etwa acht Jahren um die Sanierung, sorgt für die Nutzung des Sakralbaus. In diesem Jahr erhielt er vom Förderkreis Alte Kirchen eine Finanzspritze von 1000 Euro, mit der der Eigenanteil für Förderungen des Amtes für Flurneuordnung ergänzt werden kann. Besonders interessierten sich die Vorstandsmitglieder für die Sakristei, die nach dem Dach, den Fenstern und der Fassade als fast letzte ihrer Erneuerung harrt. Das soll, so hofft der Verein, im nächsten Jahr geschehen.

Dorfkirche Kuestrinchen Dorfkirche Kuestrinchen 
Vor und während der Arbeit an der Dorfkirche Kuestrinchen - ein ausführlicher Beitrag mit aktuellen Fotos ist in Vorbereitung

Grund zum Feiern gab es schließlich am Nachmittag beim Richtfest in Küstrinchen. Einschließlich seines Förderpreises "Startkapital" hat der "Alte Kirchen"-Kreis bisher 11 500 Euro für Dach- und Dachstuhlsanierung zugeschossen und vermittelte eine 3000-Euro-Spende durch die "Stiftung Maßwerk". "Der von uns initiierte Förderverein Dorfkirche Küstrinchen feiert im November sein einjähriges Bestehen", erklärt Bernd Janowski dem Uckermark Kurier. Und würdigte, dass die bisherigen Arbeiten an der vor kurzem noch vom Einsturz bedrohten Kirche in einer für Experten erstaunlich kurzen Zeit durchgeführt werden konnten.