"Theater in der Kirche" in der Dorkirche von Gadow

 Der wohlhabende geizige Vater ist so verbohrt, dass er seinen Kindern nicht erlaubt, zu lieben wen sie möchten
 
Rechts im Bild der insgeheim nur als "der Geizige" betitelte reich gewordene Bürger Harpagon, neben ihm Tochter und Sohn. Links außen Meister Jacques, Kutscher, Diener und Koch in einer Person. In der Bildmitte der in Wahrheit von der Tochter geliebte Mann.

"Theater in der Kirche" gab es bereits einmal im vergangenen Jahr in Gadow. Der Erfolg veranlasste den Förderverein Dorfkirche Gadow e. V., auch in diesem Jahr zu einem Bühnenklassiker einzuladen. Und so kam am vergangenen Sonnabend die Komödie "Der Geizige" von Jean Baptist Moliere zur Aufführung, veranstaltet durch den Verein Theater in der Kirche e.V. in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Alte Kirche Berlin - Brandenburg e.V. Etwa 80 Besucher folgten der Einladung zu dieser besonderen kulturellen Veranstaltung, die sich eine Vielzahl von Aktivitäten zugunsten der Erhaltung des imposanten Bauwerks einreihte.

Im Vorfeld der Aufführung erfuhren die Zuhörer einiges über den Autor des Stückes. Jean Baptist Moliere war 1622 als ältester Sohn eines wohlhabenden Pariser Händlers für Heimtextilien in Paris geboren. 1643 trennte er sich von der väterlichen Firma, ließ sich einen Vorschuss auf das Erbe seiner Mutter auszahlen und gründete zusammen mit den drei Geschwistern Béjart und fünf weiteren Komödianten eine Theatertruppe. Diese ging schon 1645 bankrott, danach schloss er sich einer Wanderschauspieltruppe an. Relativ schnell arbeitete er sich in der Truppe zum Direktor hoch und gewann einen Sponsor für seine Theaterarbeit. Spätestens 1655 begann Molière eigene Komödien ins Programm aufzunehmen. 1658, nach 13 Wanderjahren, in denen er Menschen aus allen Schichten begegnet war und von Grund auf sein Handwerk als Schauspieler, Theaterdirektor und schließlich auch Autor gelernt hatte, gastierte er in Rouen und bekam Kontakt zu dem jüngeren Bruder von Ludwig XVI. Dem französischen König gefielen die Komödien sehr, denn er setzte Molière eine hohe jährliche Pension aus und ernannte ihn zu seinem Vergnügungsdirektor.

Durch eigene bittere Schicksalsschläge und beruflichen Stress körperlich geschwächt, verdüsterte sich nach und nach der Horizont des Theaterdichters. Zunehmend wurden nun kritischere Themen wie Arroganz, Medizingläubigkeit reicher Kranker und eben auch der Geiz zum Gegenstand seiner Komödien. 1673 starb Moliere erst 51-jährig während einer Theatervorstellung.

Die Gadower und ihre Gäste lernten Moliere durch seine Komödie "Der Geizige" kennen. In ihr wird der Typ eines reich gewordenen Bürgers gezeichnet, der nichts abgeben will. Er kennt nur eins: Geld. Und er hat ständig Angst, bestohlen zu werden. Engstirnig und geizig erstickt der durch den Reichtum geizig gewordene Vater mit dieser Grundhaltung fast seine lebensfroheren und konsumfreudigeren Kinder. Aber Kinder sind zum Glück immer auch ein Stückchen pfiffiger als die Eltern, was ziemlich lustig sein kann. Die von den Schauspielern sehr lebendig dargestellten Charaktere und die ständigen Wiederholungen in charakterisierenden Handlungen oder Aussagen der dargestellten Typen hatten lebhaftes Gelächter im Publikum zur Folge.

Das seit 5 Jahren laufende Projekt "Theater in der Kirche" erhält keine Fördergelder vom Land, weswegen die Schauspielergruppe auf Spenden angewiesen ist. Die Hälfte der Spendeneinnahmen diente aber bei der Gadower Aufführung dem Erhalt der gastgebenden Kirche.

Im Anschluss wurden alle Besucher zum gemütlichen Beisammensein am Grill eingeladen.

Margitta Stange
23.09.2006

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