Geld gezielt einsetzen

Zossen: Ein Drittel der Kirchen kann nicht unterhalten werden

Von Andreas Staindl

Etwa 1400 Kirchen gibt es in Brandenburg, viele unsaniert, einige sogar einsturzgefährdet. Auch die Baruther Kirche St. Sebastian ist vom Einsturz bedroht. Jahrelange Grundwasserabsenkungen haben Sauerstoff an die das Fundament tragenden Eichenpfeiler gelangen lassen, so dass diese durch Fäulnisprozesse stark beschädigt sind. Im Jahre 2000 ist mit der Sanierung begonnen worden, doch die Fördermittel für den noch offenen Bauabschnitt sind erschöpft. Laut Pfarrer Georg Thimme fehlen noch 120.000 Euro.

Keine Lösung, aber Anregungen brachte eine Podiumsdiskussion zu „Kirchenbauten im ländlichen Raum – Perspektiven für Brandenburg“ kürzlich in der Kirche St. Sebastian. Rita Mohr de Perez, Sachgebietsleiterin Denkmalschutz der Kreisverwaltung Teltow-Fläming, sprach sich für eine alternative Nutzung von Kirchen aus, die nicht mehr benötigt würden. „Sie darf aber keinesfalls den Denkmalwert zerstören. Denkmalschutz ist Luxus, aber notwendig, weil er im öffentlichen Interesse geschieht.“ Mohr de Perez nannte das Problem: „Da Kirchen nicht auf Wirtschaftlichkeit orientieren, passen sie in kein Förderprogramm.“ Wo sich etwa Fördervereine bilden, sieht sie allerdings „einen Hoffnungsschimmer für den Erhalt einer Kirche".

Für die Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Bündnis 90/Die Grünen) sind Kirchen „weiche Standortfaktoren. Gerade junge Unternehmen machen oft ihre Ansiedlung davon abhängig“. Behm regte beispielsweise an, Kirchendächer für regenerative Energien zu nutzen, um zu Geld zu kommen. Für sie muss eine Dorfkirche aber Kirche bleiben. „In den Städten kann man über eine alternative Nutzung nachdenken.“ Für Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, stellte sich die Frage: „Wie viele Kirchen brauchen wir künftig? In vielen Dorfkirchen finden nur noch alle paar Wochen Gottesdienste statt und das oft mit nur zwei, drei Leuten.“ Janowski sagte aber auch: „Kirchen sind fast das einzige, was noch an das dörfliche Leben erinnert. Konsum, Kneipe, schule sind meist schon weg.“ Eine alternative Nutzung würde er „nicht überbewerten. Man kann Gotteshäuser nicht kommerziell nutzen".

Allerdings könnten etwa ein drittel der rund 50 Kirchen im Kirchenkreis Zossen nicht mehr unterhalten werden: „Uns stehen in diesem Jahr 200.000 Euro für Baumaßnahmen zur Verfügung, Tendenz fallend“, erklärte Manfred Guder, Baubeauftragter des Kirchenkreises Zossen. „Wir müssen das wenige Geld gezielt einsetzen. Oberste Priorität haben wertvolle und lebendige Kirchen wie etwa in Baruth. Danach folgen Kirchen, bei denen die Entwicklung ihrer Standorte noch nicht abgeschlossen ist. Am Ende der Liste stehen derzeit wenig genutzte Kirchen in den Dörfern, die allerdings oftmals kleine Perlen sind. Wo es Aktivitäten vor ort gibt, versuchen wir zu helfen“, versicherte Guder. Für Baruth rechnet er noch in diesem Jahr mit finanziellen Mitteln des Landes aus einem Ersatzförderprogramm des ausgelaufenen Programms „Dach und Fach“. 75 Prozent der 385.000 Euro des nächsten Bauabschnittes könnten gefördert werden. Den Eigenanteil von 90.000 Euro stelle der Kirchenkreis Zossen zur Verfügung.

Von Angus Fowler, Vorsitzender des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, kam der Vorschlag, „über eine Tourismusabgabe nachzudenken, von der auch die Kirchen profitieren.“ Christa Menz vom Vorstand der Brandenburger Architektenkammer meinte: „Vielleicht müssen wir auch lernen, dass nicht alles perfekt sein kann; es muss auch Übergangslösungen geben. Der falsche Weg ist allerdings, alles abzureißen, was nicht mehr benötigt wird.“ In Baruth soll es nicht so weit kommen. „Wir haben hier eine lebhafte Kirchengemeinde mit einem engagierten Pfarrer“, sagte Bürgermeister Peter Ilk. „Wenn es möglich ist, unterstützen wir die Sanierung von St. Sebastian.

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