WENN JEDER WAS DAZUGIBT

Das MAZ-Vereinsporträt: Der Verein zur Erhaltung der Dorfkirche Zechlin

UTA BARTSCH

Die Kirche von Dorf Zechlin
 
Die Orgel
 

DORF ZECHLIN Das habe er schon mehrmals beobachtet, sagt Winfried Müller aus Dorf Zechlin: Wenn jeder was dazugibt, wird zum Schluss was draus.

Vor vier Jahren war klar, dass die Kirche des Dorfes dringend saniert werden muss. Die Dachziegel würden nicht mehr lange halten, tragende Balken von Dach und Decke fingen an zu verrotten, durch handbreite Risse drang Feuchtigkeit ins Mauerwerk.

Ein Motor musste her, der die Kirchensanierung immer wieder in die Bauausschüsse bringt, Geldquellen auslotet und den Feldsteinbau aus dem 16. Jahrhundert lebendig hält.

Winfried Müller schmiss diesen Motor an, als er 2001 die Zechliner um sich scharte, um den Verein zur Erhaltung der Dorfkirche Zechlin zu gründen. „Wir haben versprochen, nachdem das Gutachten da war, 11000 Euro zu sammeln.“ Die Kirchengemeinde verpflichtete sich daraufhin zu einem Beitrag, der Kirchenkreis Wittstock-Ruppin legte einen drauf, dann die Landeskirche und ganz zum Schluss auch das Land Brandenburg. So waren die 60– bis 70000 Euro für die Kirchensanierung zumindest auf dem Papier fixiert.

Anfang des Jahres hatte der Verein in viel Kleinarbeit sein Spendenziel erreicht. Die Ausschreibungen und der Antrag auf Baugenehmigung folgten: Ab Juni 2005 wird die Dorf Zechliner Kirche saniert, noch im Herbst fallen die Gerüste.

„Das Spendensammeln haben wir mit unserem zweiten Vereinsziel verbunden, das Dorf kulturell zu beleben“, so Müller. „Und weil wir eine ganz besondere Kirche haben, die älteste in der Region und eine, die mit zwei Orgeln ausgestattet ist, haben auch unsere Veranstaltungen ein besonderes Profil.“

So organisierte der Verein eine Ausstellung mit Bildern des Dorf Zechliner Malers Kurt Dahlhaus. „Er kam nach dem Krieg aus dem Sudetenland hierher. Viele Dorf Zechliner haben noch heute einen „Dahlhaus“ im Haus, den der Maler ihnen damals für Speck und Eier überließ. Auch von ehemaligen Zechlinern, die heute in ganz Deutschland verstreut leben, kamen Leihgaben für die Ausstellung. Mit dieser Aktion gewann Müller mehrere neue Mitglieder für den Verein.

„Auf die Spenden der Ehemaligen ist immer Verlass. Gerade die Älteren nutzen ihre runden Geburtstage und andere Feierlichkeiten, um Geld für die Dorfkirche in der Heimat zu sammeln. Da verzichten sie gern auf Geschenke.“

Aus dem Filmarchiv kramte der Verein einen DDR-Fernsehfilm über das Dorf Zechlin aus und lud zum Kinoabend ein. Außergewöhnliche Konzerte auf zwei Orgeln fanden statt. In diesem Jahr brachten „Die Tagelöhner“ mittelalterliches Flair nach Dorf Zechlin.

Von den fünf Veranstaltungen des Vereins pro Jahr wird die Kirche auch nach Abschluss der Sanierung profitieren können. Winfried Müller klopft gegen die ein Meter starken Mauern: „Die Restauratorin hat unter den weiß getünchten Wänden Malereien entdeckt. Wahrscheinlich waren die Kirchenwände einmal marmoriert. Das wäre ein nächstes Projekt.“

Und dann wäre da noch der Altar und im Jahr 2013 wird die Schuke-Orgel 100 Jahre alt. Das kulturelle Leben im Dorf ist jedenfalls für die nächsten Jahre gesichert.


DER GUTE GEIST
Schätze für Kirche aufbewahren - Christiane Winkelmann hütet das Konto

Sie macht die Verwaltungsarbeit vom Verein zur Erhaltung der Dorfkirche Zechlin so perfekt, da braucht sich Vereinschef Winfried Müller um nichts zu kümmern. „Ich liebe es, wenn jemand solide arbeitet, so dass alles stimmt und wir im Verein auch mit der Gemeinnützigkeit keine Schwierigkeiten haben.“ Christiane Winkelmann sorgt dafür, dass die Mitgliedsbeiträge rechtzeitig eingehen, die Spenden ordnungsgemäß aufs Konto kommen und exakte Spendenbestätigungen an die Geldgeber verschickt werden. Sie bereitet alle Ein- und Ausgänge für das Finanzamt vor und verwaltet die Unterlagen so, dass es nie Probleme gibt. Gerade steckte der neue Bescheid über die Gemeinnützigkeit im Briefkasten des Vereinschefs. Winfried Müller atmete auf, denn nichts wäre schlimmer, als von dem mühsam gesammelten Geld für die Dorfkirche auch noch was abgeben zu müssen.

„Unsere Christiane Winkelmann ist bei allen Veranstaltungen aktiv dabei, stellt sich aber nie in den Vordergrund. Für die vielen Kleinigkeiten kann ich sie jederzeit ansprechen. Und wenn es das Schlüsselbesorgen, das Aufräumen oder Abwaschen nach der Veranstaltung ist.“


VISITENKARTE

Name: Verein zur Erhaltung der Dorfkirche Zechlin e.V.
Gründungsjahr: 2001
Mitglieder: 25

Vereinszweck: Erhaltung der Kirche und des Inventars, Pflege der Kirchenmusik in der Dorfkirche, Beteiligung am kulturellen Dorfleben.

Vorstand: Winfried Müller (1. Vorsitzender, Tel. 033923 / 70769), Joachim Zindler (2. Vorsitzender), Christiane Winkelmann (Kasse), Christine Böthig (Sekretärin), Bernd Krüger, Marina Lüdecke

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