Akut vom Verfall bedroht

Alte Dorfkirchen müssen saniert werden / Förderkreise sammeln Geld

JOACHIM WILISCH

WESTHAVELLAND Ein morscher Balken macht den Verantwortlichen der Evangelischen Kirchengemeinde in Premnitz Sorgen. Zur Christvesper am Heiligen Abend im Dezember vergangenen Jahres kündigte Pfarrer Jürgen Frohnert an, dass Geld benötigt werde, um den Schaden zu reparieren. Schäden, teilweise schlimmer als der morsche Balken in der Döberitzer Kirche, bereiten nicht nur Pfarrern und Pfarrgemeinderäten Probleme.

Anfrage im Landtag

Die Kirche in Döberitz gehört zu den Gotteshäusern in Brandenburg, die vom "Förderkreis Alte Dorfkirchen" betreut werden. Auch die Gotteshäuser in Wassersuppe und Ferchesar stehen auf der Liste des Förderkreises. Viele der Gotteshäuser sind stark sanierungsbedürftig. Darauf wies jetzt Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage im Landtag hin. Seit der Wiedervereinigung hätten Land und Bund insgesamt rund 75 Millionen Euro zur Wiederherstellung kirchlicher Bauten in der Mark ausgegeben. Dennoch sind etwa 200 jahrhundertealte Dorfkirchen inzwischen unzugängliche Ruinen oder vom Verfall bedroht.

Darum bilden sich auch in dieser Region Fördervereine, die Geld sammeln, um die Bauwerke zu retten. Jüngstes Beispiel ist die Dorfkirche in Steckelsdorf. Ein Förderverein hat mit viel Engagement Geld gesammelt, inzwischen wurde das Gebäude saniert.

Als "Perle des Havellandes" wird das malerisch an der Ostspitze des Hohennauener Sees gelegene Dorf Ferchesar bezeichnet. Mittelpunkt ist eine hübsche Kirche, die am Ende einer alten Kastanienallee auf dem Dorfanger steht.

Dorfkirche des Monats August

Im August 2006 wurde die Kirche in Ferchesar zur Dorfkirche des Monats benannt. Entstanden ist der barocke Fachwerkbau 1735. Der Kirchturm musste bereits 1838 ausgebessert und 1906 völlig neu gebaut werden. Auch an der Kirche in Ferchesar hat der Zahn der Zeit genagt. Instandsetzungsarbeiten, unter anderem im Bereich des Dachstuhls wären dringend notwendig. Doch es fehlt das Geld, weshalb sich inzwischen auch hier ein Förderverein darum kümmert, Geld zu sammeln.

Die Evangelische Reformgemeinde Westhavelland, zu der auch Ferchesar gehört, umfasst insgesamt sechzehn Dörfer mit ebenfalls sechzehn Dorfkirchen. In dem gemeinsamen Gemeindekirchenrat, in dem aus jedem Ort ein Vertreter sitzt, werden Entscheidungen lange diskutiert, gerade wenn es um Geld für die Reparatur von Kirchengebäuden geht. Der Förderkreis "Alte Dorfkirchen" verweist darauf, dass für den Bauunterhalt sämtlicher Kirchengebäude der Evangelischen Reformgemeinde pro Jahr etwas über 7000 Euro zur Verfügung stehen Tendenz sinkend. Drittes Beispiel aus dem Westhavelland: Wassersuppe. Die Dorfkirche von Wassersuppe ist ein schlichter Fachwerksaal von 1756, der auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet wurde. Turm und Westgiebel blieben erhalten, vor die Fachwerkwände des Kirchenschiffes wurde zu Ende des 19. Jahrhunderts Ziegelmauerwerk vorgeblendet. Glanzstück des Innenraumes ist ein barocker Kanzelaltar, der 1703 von Johann Christof Richter aus dem Dorf Cammer bei Lehnin geschaffen wurde. Seit einigen Jahren veranstaltet ein Freundeskreis der Dorfkirche Wassersuppe, ins Leben gerufen von Karin Baronin von Heyking und der Ortsbürgermeisterin Antje Bölke, regelmäßig Sommerkonzerte, deren Erlös für die Erhaltung der Kirche bestimmt ist. "Die Einnahmen aus den Konzerten dürften jedoch zur dringend notwendigen Instandsetzung des Kirchengebäudes nicht ausreichen", schreibt der Förderkreis "Alte Dorfkirchen".

Schäden am Fundament

Bei Grabungen an der Außengiebelwand der Kirche seien Schäden am Fundament festgestellt worden, die auf eine akute Einsturzgefahr hinweisen. Die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gibt die Höhe des Sanierungsbedarf mit 500 Millionen Euro an; ein Großteil der betroffenen Kirchen stehe in Brandenburg. Aus den Staatsverträgen mit den Kirchen stehen den Angaben zufolge für die Sanierung der evangelischen Gotteshäuser insgesamt 1,5 Millionen Euro jährlich zur Verfügung, für die katholischen etwa 250 000 Euro.

Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sorgt sich um die Gotteshäuser. Vor zwei Jahren hat sie deshalb die bundesweite Kampagne "Rettet unsere Kirchen" ins Leben gerufen. "Die Lage hat sich dramatisch zugespitzt", heißt es von Stiftungsseite. Immer mehr Kirchen im gesamten Bundesgebiet sind demnach von Verfall, Verkauf oder Abriss bedroht. Der Rückgang der Mitglieder in den Gemeinden und damit wegbrechende Kirchensteuern gefährden die Gotteshäuser, so die Denkmalschützer.

Märkische Allgemeine vom 16. Januar 2007

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