Eine Attraktion in einer schönen Landschaft

Von Heike Stachowiak

 
 
 

Altwustrow (MOZ) Die Sanierungsarbeiten an der Kirche in Altwustrow sind weitestgehend abgeschlossen. Mehr als 700 000 Euro sind seit Beginn der Arbeiten in das Gotteshaus geflossen. Ein gutes Beispiel dafür, wie mit viel Fingerspitzengefühl und der finanziellen Unterstützung vieler ein kulturhistorisch wertvolles Bauwerk vor dem Verfall gerettet werden kann.

Pfarrer Matthias Mieke ist glücklich, dass die Kirche in Altwustrow wieder im alten Glanz strahlt, wenngleich er die gesamte Sanierungsphase nicht begleitet hat, da er erst seit 2005 im Pfarrsprengel Neulietzegöricke in Amt und Würden ist. Doch Altwustrow sei für ihn ein Vorzeigeobjekt - ein Beispiel dafür, dass man gemeinsam etwas bewirken kann. Denn bei der Sanierung haben neben Bürgern viele andere an einem Strang gezogen. Da wäre zu allererst der Förderverein Kirche Altwustrow, der Benefizkonzerte zugunsten der Kirche organisiert hat, und natürlich die Kirchengemeinde, die evangelische Landeskirche, die heutige Gemeinde Oderaue, verschiedene Stiftungen u. a. die Reemtsma-Stiftung, der Landkreis, das Land und der Bund haben in den vergangenen Jahren öfter die Finanzspritze aufgezogen.

Zuletzt arbeiteten Berliner Restauratorinnen die frühklassizistische Papierdecke auf. Eine Augenweide für jeden Kirchenbesucher und wohl einmalig in der Region.

Die eine oder andere Besonderheit, die die einst als "Schwarzbau" 1789 erbaute Bauernkirche während der langjährigen Sanierungsphase erlebte, wird mit Sicherheit in die Kirchenbücher eingehen wird. Da wäre zum Beispiel die spektakuläre Hebung der Kirche Ende 2001, die gewiss noch vielen in Erinnerung sein wird. In einem komplizierten Verfahren wurde das Gotteshaus um 15 Zentimeter gehoben. Viereinhalb Stunden dauerte damals das Prozedere. Die Kirche war wegen des feuchten Baugrunds um einige Zentimeter abgesackt. Auf insgesamt 14 Hydraulikpressen ruhte der Baukörper, eine Gesamtlast von sage und schreibe 142 Tonnen. Mit Kalk gefüllte Säulen wurden in den Baugrund eingelassen, um die Feuchtigkeit zu entziehen. Ein bis dahin noch nicht all zu häufig angewandtes Verfahren, das offensichtlich von Erfolg gekrönt ist.

Den Abschluss der Arbeiten wollen die Altwustrower im Sommer mit einem Gottesdienst feiern. Dazu sollen alle Förderer eingeladen werden. Der genaue Termin stehe allerdings noch nicht fest, so Matthias Mieke. Doch bis dahin wird der Pfarrer seine Hände nicht in den Schoß legen und gemeinsam mit der Kirchengemeinde und dem Förderverein weiterhin die Werbetrommel rühren. Denn noch fehlt, gemessen an den bisherigen Leistungen, noch eine Kleinigkeit: Das hölzerne Gestühl, der Altar und die Kassettenfenster an der Empore müssen noch erneuert werden. Von der Landeskirche sei dafür kein Geld mehr zu erwarten, sieht es Mieke realistisch. Deshalb sollen auch die inzwischen zur Tradition gewordenen und beliebten Benefizkonzerte weiterhin veranstaltet werden. Letztlich lebt die Kirche auch dadurch und zieht Publikum an. Denn für den Pfarrer steht fest: "So wie wir die Kirche ohne fremde Hilfe nicht ausbauen konnten, wird sie eben auch nicht nur von den Leuten von hier genutzt werden."

Da befinde man sich schon auf einem guten Weg. Vor allem an den Wochenenden kämen vermehrt Besucher, die durch die Medien auf die stilvolle kleine Kirche in Altwustrow aufmerksam geworden seien, als eine Attraktion in einer schönen Landschaft, formuliert es Matthias Mieke passend.

Davon werden sich am 30. Juni hoffentlich noch weitere Gäste der Region überzeugen können. An diesem Tag findet im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte im "Dom des Oderbruchs", in der Neuküstrinchener Kirche ein Konzert mit einem Potsdamer Orchester statt, zu dem mindestens 500 Gäste erwartet werden, informiert Matthias Mieke.

Als Begleitprogramm soll eine Führung angeboten werden, die an die Oder führen wird, weiter zur Brücke Bienenwerder und nach Altwustrow in das restaurierte Gotteshaus. Davon verspricht sich der Kirchenmann einen großen Werbeeffekt. Der Abschluss der Sanierungsarbeiten in Altwustrow stimmt ihn jedenfalls für die vor ihm liegenden Aufgaben optimistisch.

"Jetzt müssen wir unsere Energie in die Kirche nach Neulietzegöricke fließen lassen", gibt Mieke die Richtung vor. Das Dach muss dringend gedeckt, die Außenfassade gestaltet werden. Glücklicherweise habe der Orkan "Kyrill" das Dach nicht vorzeitig heruntergeholt, ist der Pfarrer dankbar. Für die Bauvorhaben liegen bereits Pläne vor. Diese müssen allerdings aktualisiert werden.

Ähnlich wie die Altwustrower wollen auch die Neuküstrinchener künftig Benefizkonzerte veranstalten. Der Startschuss fällt mit dem Frühlingskonzert, das am 13. Mai, stattfindet.

Gastgeber wird die Kirchengemeinde Neulietzegöricke sein. Demzufolge wird auch der Kirchenchor auftreten, als einer von vielen Chören. "Da die Künstler aus der Region kommen, hoffen wir, dass sie Leute mitziehen", so Mieke. So wie in Altwustrow, wo die Kirche inzwischen Mittelpunkt des dörflichen Lebens geworden ist.

Märkische Oderzeitung vom 31. Januar 2007

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