Engagement für das Gotteshaus

Einst wegen Baufälligkeit gesperrt, heute ein Schmuckstück

DETLEF CZENINGA

PLÄNITZ Die Sanierung der im Jahr 1709 eingeweihten Plänitzer Kirche ist so gut wie abgeschlossen. Unter anderem müssen jedoch noch die einzelnen Felder der Empore restauriert werden. Die darin befindliche Schrift ist zum Teil noch zu erkennen. "Es handelt sich um Sprüche aus der Bibel", so Pfarrer Jürgen Brückner. Er wohnt in Zernitz und ist seit 1998 auch für Plänitz zuständig. "Die Restaurierung von zwei der Felder ist bereits mit Spenden abgesichert", sagt der Pfarrer.

Die Plänitzer Kirche war 1965 wegen Baufälligkeit geschlossen worden. Elf Jahre später hatten Restauratoren den barocken Altar begutachtet und seinen Zustand als sehr gut eingeschätzt. Sie empfahlen lediglich eine Reinigung und seine Auslagerung. In den 80er Jahren verschwanden dann Teile des Altars, u. a. Verzierungen, die Wappen, ein Engel und Vasen.

Mitte der 80er Jahre begann dann der damalige Superintendent Friedrich Brust, sich für die Kirche zu engagieren und baute den Freundeskreis Plänitzer Kirche auf, um weiteren Plünderungen vorzubeugen. 1989 wurde angeordnet, den Altar zu demontieren und auszulagern. Einzelne Teile kamen in ein Plänitzer Stallgebäude, die wertvollen in die Kyritzer Kirche. Mit der Wende begann auch ein Neuanfang für das Plänitzer Gotteshaus. Restaurator Jens Zimmermann aus Blesendorf bekam den Auftrag, die Teile des Altars zusammenzusuchen und fachgerecht in seiner Werkstatt einzulagern. Parallel dazu engagierte sich der damalige Pfarrer Ralph-Rainer Ritschel für die Kirche. Mit Hilfe von Landesmitteln, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Landeskirche und der Familie Güssow aus Hamburg, Nachfahre derer von Rathenow, wurde die Restauration in Angriff genommen. Am 21. Oktober 2001 gab es dann den Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der Kirche, jetzt mit Jürgen Brückner als zuständigem Pfarrer. Der Gottesdienst zur Einweihung des restaurierten barocken Altars, das Geld kam wieder von den genannten Partnern, stellte nun am Gründonnerstag einen weiteren Höhepunkt dar. Zuvor waren gründliche Recherchen notwendig gewesen, um die verschwundenen Wappen ersetzen zu können. Am Schalldeckel zum Beispiel findet sich ein doppeltes Wappen. Das linke zeigt in Rot einen waagerechten natürlichen Weinstock mit zwei Blättern noch oben und einem Blatt nach unten. Auf dem Helm mit roten Decken ist eine rotgekleidete Jungfrau, auf dem Kopf einen grünen Kranz und in der rechten Hand eine Sense über die Schulter haltend, zu sehen. Die Buchstaben D.C.V.R. stehen für Daniel Caspar von Rathenow. Das rechte Wappen in Silberweiß zeigt einen schräg rechts gestellten roten Anker. Der Helm mit roten Decken ist oben mit roten und silber-weißen Straußenfedern besteckt. Die Buchstaben M.E.V.L. stehen für Margarete Elisabeth von Lüderitz aus Weißen/Prignitz, die Ehefrau von Daniel Caspar von Rathenow. Die Wappen an den Säulen stammen von den Kindern der beiden und ihren Ehepartnerinnen, zu denen auch eine von Kahlbutz aus dem benachbarten Kampehl gehörte.

Die Güssows aus Hamburg sind direkt Nachfahren derer von Rathenow, von denen ein Zweig schon im 13. Jahrhundert ins Wusterhausener Land gekommen war. Das Rittergut Plänitz befand sich wahrscheinlich bereits um 1350 in Familienbesitz. Anna-Elisabeth Güssow, geborene von Rathenow, trug als Letzte diesen Namen. Sie starb am 24. Dezember 2004 in Freiburg und wurde auf eigenen Wunsch auf dem Friedhof neben der Kirche beigesetzt.

Märkische Allgemeine vom 07. April 2007

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