Strehlower Kirche wird weiter aufgebaut

Vermächtnis Im Sinne von Dietrich Kettelhack, der am 18. März verstorben ist, wollen seine Familie und die Akteure das Werk an der Dorfkirche vollenden.

VON MONIKA STREHLOW

In der Strehlower Kirche 
Peter Kettelhack, Allesandra und Jaqueline Kettelhack im Gespräch mit Ulrich Blumendeller (von links). Der Geschäftsführer der Agrargesellschaft erläutert, wie es an der Kirche weitergehen soll.
FOTO: STREHLOW

STREHLOW. In diesem Jahr geht es weiter mit der Aufbauarbeit an der Strehlower Dorfkirche. Ein Dreivierteljahr, nachdem die Bekrönung auf den neu errichteten Turm aufgesetzt wurde, sollen nun das Kirchendach einen neuen Dachstuhl und Bedachung erhalten und die Außenfugen verdichtet werden. Rund 150 000 Euro werden für diesen zweiten Erneuerungsabschnitt am Sakralbau veranschlagt. Ende 2005 sowie im ersten Halbjahr 2006 wurden bereits rund 250 000 Euro verbaut, um die barocke Turmkonstruktion abzutragen und neu aufzubauen. Die Glocke von 1926 erhielt in diesem Zug den angestammten Platz, die Mauerkrone wurde saniert und der Innenraum des Kirchenschiffes aufgeräumt.

Nicht nur der neue Besitzer, die Agrargesellschaft Potzlow mbH & Co KG, sondern auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und der Landkreis Uckermark hatten sich daran finanziell beteiligt. Nun fließen erneut umfangreiche Mittel in die Rettung des kleinen Kirchleins, das über Jahrhunderte den Menschen Mittelpunkt war, bevor es 1945 von einer Bombe zerstört worden sein soll.

Doch ohne das persönliche Interesse und Engagement von Dr. Dietrich Kettelhack, ein Verwandter der einstigen Patronatsfamilie Kettelhack, wäre das Werk sicher nicht so weit fortgeschritten. In seiner westfälischen Heimatstadt Borken hatte sich der promovierte Apotheker als Unternehmerpersönlichkeit einen Namen gemacht. Doch am 18. März ist er friedlich gestorben, wie seine Frau Jacqueline berichtet. Im Gespräch mit dem Uckermark Kurier erinnern sie und Kettelhacks Sohn aus erster Ehe, Peter Kettelhack daran, dass Dietrich Kettelhack ein pharmazeutisches Unternehmen aufgebaut hatte. 1954 gründete dieser eine Arzneimittelfirma seines Namens, die heute nach mehreren Stationen Tochtergesellschaft des amerikanischen 3M-Konzerns ist.

Die Wurzeln der Familie Kettelhack reichen in Borken bis weit ins Mittelalter zurück. In Strehlow gab es nach Unterlagen, die in der Bekrönung der Dorfkirche gefunden wurden, seit dem 16. Jahrhundert die Familie Kettelhack. 1537 gehörte "Otto von Ketelhaken" eine Hälfte von Strehlow. Nach dem Schriftstück habe ein "Ketelhaken" 1650 auch den zweiten Teil von den von Holtzendorf erworben. Nach 1759, dem Sterbejahr des letzten "Ketelhaken" dieses Familienzweiges, ging das Erbe auf Ehrentreich von Osten über. Seit etwa 1775 bis 1945 befand sich Strehlow im Besitz der Familie Gysae.

Als Dr. Dietrich Rudolf Mathias Kettelhack nach dem Fall der Berliner Mauer nach Strehlow kam, suchte er Spuren seiner Familiengeschichte. "Auf dem Friedhof begegnete ihm Herr Kapischke", erzählt Sohn Peter Kettelhack. "Dieser fragte nach seinem Namen. Als Vater Auskunft gab, sagte der Mann: ,Kommen Sie, ich zeige Ihnen Kettelhacks Garten.'" - ein kleines Wäldchen am Friedhof, das bis heute so von alten Strehlowern genannt wird. In allem habe sein Vater Wert darauf gelegt, dass die Menschen in den Aufbau einbezogen werden.

Der Unternehmer Kettelhack übernahm 1991 die insolvente LPG-Nachfolgerin die Agrargesellschaft Potzlow mbH & Co KG, heute trotz aller Hindernisse ein florierendes Unternehmen. Die Agrargesellschaft war es auch, die die Ruine von der Kirchengemeinde kaufte und seitdem als Bauherr auftritt. "Meinem Vater war es immer ein besonderes Anliegen, die Kirche irgendwann wieder instand gesetzt zu sehen", erklärt Peter Kettelhack. Mit Jacqueline Kettelhack bekräftigt er, dass dieses Vorhaben nicht aufgegeben wird. "Im Sinne meines Mannes läuft alles weiter wie bisher", betont sie.

In diesen Tagen fand die Bauanlaufberatung statt, informiert Ulrich Blumendeller, Geschäftsführer der Agrargesellschaft. "Unser eigentliches Ziel ist es, die Kirche in Kombination mit dem Jugendzentrum im alten Gutshaus und dem Gutshof zu nutzen, um dieses Ensemble wieder zu beleben." An der Kirche soll zum Abschluss der Bauarbeiten, der für den Sommer vorgesehen ist, eine Tafel angebracht werden, die an den Initiator des Wiederaufbaus erinnern wird. "Dafür haben wir, also die Agrargesellschaft und das Jugendzentrum, eine Sammlung begonnen. Die ersten Spenden sind eingegangen", hofft er auf weitere Gelder.

Uckermark Kurier / Prenzlauer Zeitung vom 12. April 2007

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