Junges Orchester in alten Mauern

Musikschulen öffnen Kirchen

ANTJE RÖSSLER

Wo im Mittelalter Dominikanermönche beteten, fand sich am 1. Mai das Landesjugendsinfonieorchester Brandenburg ein. Der Auftritt in der Kirche St. Trinitatis in Neuruppin sollte die Restaurierung der Außentüren dieser Backsteinhalle aus dem 13. Jahrhundert unterstützen.

Gleichermaßen die Sanierung von Sakralbauten in Brandenburg zu fördern und dem musikalischen Nachwuchs ein Podium zu bieten das ist das Anliegen des Projekts "Musikschulen öffnen Kirchen". "Diese Kooperation zwischen dem Landesverband der Musikschulen und dem Förderkreis Alte Kirchen soll fortgesetzt und fest ins Brandenburger Kulturleben integriert werden", sagt Thomas Falk, Geschäftsführer des Landesverbands der Musikschulen.

In Neuruppin verhalf das Landesjugendsinfonieorchester der Konzertreihe zu einem anspruchsvollen Auftakt. Zwar ging die komplexe Mehrstimmigkeit von Richard Wagners Meistersinger-Vorspiel im langen Nachhall des Saales unter, das Violinkonzert von Johannes Brahms hingegen ließ das routinierte Zusammenspiel der etwa 80 jungen Musiker erkennen. Als Solist begeisterte der 23-jährige Konradin Seitzer. Mit seinem runden, eleganten Ton und der Konzentration auf die lyrischen Qualitäten der Partie bot er eine stimmige Interpretation dieses Werks, das sich romantischem Virtuosentum verweigert. In die hochkomplexe Orchesterfassung von Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" allerdings müssen die Nachwuchsmusiker, insbesondere die häufig solistisch eingesetzten Bläser, noch hineinwachsen. Am Dirigierpult stand Anton Zapf. Er geleitete die Instrumentalisten sicher und fürsorglich durch die Partituren.

Das Neuruppiner Konzert war für das Orchester auch eine Etappe seiner Jubiläums-Saison: Vor 15 Jahren wurde es gegründet. Mit ehrgeizigen Projekten feiert man diesen Anlass. "Eine Tournee durch Südkorea, Opernaufführungen in der Kammeroper Schloss Rheinsberg und eine CD-Produktion stehen auf dem Programm", erklärt Falk.

Für die Türen der Neuruppiner Kirche wurde fleißig gespendet, das lässt hoffen für die zehn weiteren Veranstaltungsorte dieses Sommers: Der Kirchturm von St. Nikolai in Bad Freienwalde soll gerettet werden, im uckermärkischen Sternhagen geht es um die älteste Joachim-Wagner-Orgel der Region. Falk: "Besuchen Sie die Konzerte, tun Sie etwas Gutes für sich, für die Musik und den Denkmalschutz."

Konzerte: 12. Mai, 15 Uhr, Dorfkirche Heckelberg, Barnim. 12. Mai, 19 Uhr, St. Nikolai, Bad Freienwalde. Karten unter 03 31/24 02 75.

Märkische Allgemeine vom 04. Mai 2007

   Zur Artikelübersicht