Aktion zum Erhalt des Lindenaer Altars

Mittelalterliches Kunstwerk soll saniert werden

"In Lug und Linden ist nischt zu finden", sagt der Volksmund. Dieser Spruch entspringt aber wohl eher dem Neid benachbarter Dörfer, denn die Kirchen sind allemal etwas Besonderes. Landschaftsprägend sind die Zwillingstürme der Lugauer Kirche, ungewöhnlich für die Gegend die dreischiffige Basilika in Lindena. Die Lugauer retteten mit viel Eigeninitiative ihre Kirchenorgel vor dem Verfall und nun wollen die Lindenaer ihren dreiflügeligen mittelalterlichen Altar retten.

VON TORSTEN PÖTZSCH

Der Lindenaer Altar 
Der Lindenaer Altar - seit dem Mittelalter unverfälscht.
Foto: Dietmar Seidel
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42 000 Euro werden dafür nach einem ersten Gutachten benötigt. Wo Staat und Kirche die Hände hochreißen, wollen die Bürger zupacken. Um Pfarrer Fred Pohle gründete sich eine Aktionsgruppe zur Rettung des Altars, die am vergangenen Freitag zu einem ersten öffentlichen Treffen in die Lindenaer Schankwirtschaft Pfeiffer einlud. "40 Interessenten stimmen uns mehr als optimistisch", freute sich Pohle über das Interesse.

Heimatforscher Horst Schultz klärte über die Geschichte und Bedeutung des Lindenaer Altars auf. Das Alter wird von Experten auf das ausgehende 15. Jahrhundert geschätzt. In wunderbarer Ausführung ist mittelalterliche Tafelmalerei mit Schnitzwerk verbunden worden. Der Künstler ist unbekannt, doch seit jeher zollen die Menschen dem Altar, auf dem Gruppen- und Einzeldarstellungen und eine biblische Szene zu bewundern sind, höchsten Respekt. Der Altar hat Kriege überstanden und wurde auch nicht während der Reformation übermalt. Mittelalterliche Kunst ist noch in reinster Ausführung zu bestaunen.

Prägend für den Altar ist die Darstellung so genannter Nothelfer, weltliche und kirchliche Würdenträger, die aufgrund ihres Handelns unmittelbar nach ihrem Tod heilig gesprochen wurden. 14 Nothelfer kennt die Kirchengeschichte, elf sind auf dem Lindenaer Altar dargestellt. Sie drücken die Wünsche und Hoffnungen der Menschen im Mittelalter aus. Allein diese Darstellung der Nothelfer ist in Südbrandenburg eine Rarität.

Die Idee zur Rettung des Altars geistert schon lange im Kopf von Pfarrer Fred Pohle und vielen Gemeindemitgliedern herum, allein es fehlte an der nötigen Initialzündung. Die kam durch eine größere Einzelspende der Gebrüder Hans-Dieter und Walfried Michaelis, Letzterer war am Freitag anwesend. Seit 45 Jahren in Berlin lebend, rief der gebürtige Lindenaer die Bürger auf, mitzuhelfen, den Altar zu retten. "Wir durften hier unsere Kindheit und frühe Jugend verbringen. Nun möchten wir etwas zurückgeben, denn jeder trägt eine gewisse Verantwortung für sein kulturelles Umfeld." Gleichzeitig wollen die Gebrüder Michaelis ihre Einzelspende als Anerkennung und Dank für ihre Eltern, den Ort und seine Bürger sehen.

Viele Geldscheine wanderten am gleichen Abend noch in die Spendenbüchsen, doch viele werden noch notwendig sein, um den Lindenaer Altar vor dem Verfall zu retten. Karl Trepsdorf von der Doberluger Kantorei machte gleich mal den Anfang. "Im kommenden Frühjahr veranstalten wir in der Klosterkirche ein Benefizkonzert für den Lindenaer Altar", verkündete er.

Zur Rettung des Lindenaer Altars hat die Aktionsgruppe ein Spendenkonto bei der Elbe-Elster-Sparkasse eingerichtet. Kontonr. 32 20 20 35 22; BLZ: 18051000

Lausitzer Rundschau vom 09. Mai 2007

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