Der Turm ist noch jung

Für die Orgel der Dorfkirche in Bochow wird am 20. Mai ein Benefizkonzert ausgerichtet

Kirchen sind oft das markanteste Gebäude im Dorf. Deshalb wecken sie das Interesse. Dem kommt die Initiative "Offene Kirchen" entgegen. Die MAZ stellt in loser Folge die offenen Kirchen im Kreis Teltow-Fläming vor.

GERTRAUD BEHRENDT

BOCHOW "Die Orgel ist das Schönste in der Kirche", sagt Barbara Schmidt. Seit fast zehn Jahren ist sie Kirchenälteste in Bochow und hat den Schlüssel zum Gotteshaus.

Sie und ihr Ehemann Johannes freuen sich besonders, dass am 20. Mai das vierte Benefizkonzert zu Gunsten der Schuke-Orgel in ihrer Kirche stattfindet. Sie hoffen, dass das Geld danach für die Verjüngungskur reicht. Bespielbar ist sie noch. Das übernimmt Peter-Michael Seifried am 20. Mai. "In tieferen Lagen hat sie Aussetzer", so Barbara Schmidt. Um die zu beseitigen sind 17 000 Euro nötig.

Die Orgel kam 1912 in die Kirche; mit ihr wurde die Wagner-Orgel ersetzt, die seit 1738 zum Inventar gehört hat. "Auf Kirchenmusik wird viel zu wenig Wert gelegt." Ein Kantor werde nicht mehr finanziert, bedauert die Kirchenälteste.

200 der gut 300 Einwohner passen, wenn sie eng sitzen, ins Gotteshaus. Zum Konzert werden 120 erwartet.

Die Bochower Kirche ist ungewöhnlich hell. "In den siebziger Jahren wurden die seitlichen Emporen rausgenommen", erläutert Johannes Schmidt, der als Geschäftsführer der Bautischlerei und Zimmerei Oehnaland an Kirchensanierungen beteiligt und deshalb ein fachkundiger Führer ist. Bei der Renovierung, die 1967 begonnen wurde, kam der spätgotische Taufstein von der Mitte an die Seite.

Der helle und freundliche Eindruck ist natürlich auch das Ergebnis der Restaurierung, die vor zwei Jahren abgeschlossen wurde. Bei den Vorarbeiten hat die Restauratorin Jutta Brumme festgestellt, dass die Kirche viele Wandmalereien enthält. Sie hat einige Streifen freigelegt. Alle Malereien sichtbar zu machen, das wäre viel zu teuer.

Bis zum Konzertsonntag wird die Treppe zum Turm abgefegt. Denn die erste Frage der Besucher ist erfahrungsgemäß, ob sie auf den Turm könnten. Da darf das Wetter sogar kühl sein; die Aussicht ist verglast. Beim Aufstieg kann ein Blick auf die Rückseite des Kreuzrippengewölbes geworfen werden, und die Glocken sind zu sehen. Zwei werden elektrisch geläutet. Die dritte erklingt nur zu hohen kirchlichen Feiertagen, Hochzeiten und ähnlichen Anlässen. Dann gehen entweder Johannes Schmidt, sein Sohn Matthias oder ein Junge aus dem Dorf ans Werk. Es gibt noch eine vierte Glocke. Die aber hat einen Sprung und steht deshalb gleich am Eingang der Kirchentür.

Der Turm selbst ist noch relativ jung, wenn man bedenkt, dass der ursprünglich gotische Feldsteinbau 1335 erstmals erwähnt wurde. Im Mittelalter war das Gotteshaus sogar Wallfahrtsstätte. Der hohe achteckige Westturm aus Feld- und Backstein stammt aus dem Jahr 1856. Zuvor wurden ein Westquerturm bis zur Traufe des Schiffs abgetragen und die Fenster vergrößert. Links am Turm ist das Datum 1856 in einen Feldstein eingeritzt. Früher hatte die Kirche einen oktogonalen Turmaufsatz aus Fachwerk mit Schweifhauben und Laterne.

Johannes Schmidt bedauert, dass die ursprüngliche Idee, die Kirche tatsächlich offen zu haben, nicht umsetzbar ist. "Es passiert zu viel", sagt er. Gefährdet wäre zum Beispiel der hölzerne Kanzelaltar von 1701. Er sieht mit seinem besonders dicken Heiland als Aufsatz sehr eindrucksvoll aus. Von vorn wegen seiner Bemalung, von hinten wegen seiner Schäden. Neugierige, die versuchten, das Bild aufzuklappen, um die Kanzel als solche zu sehen, könnten alles zerstören. Die Holzwürmer waren sehr aktiv. "Bloß nirgends gegenkommen. Eine Restauration würde Jahre dauern", weiß Johannes Schmidt. Gepredigt wird deshalb am Pult vor dem Altar und dem Sakristeibereich.

Ein weiterer Blickfang ist das aus zwei Phasen stammende Kreuzrippengewölbe; im Chor zwei Joche mit flach geführten Kappen und Birnstabrippen, die sich ohne Konsolen aus der Wand entwickeln, im Schiff gekehlte Rippen über tütenförmigen Konsolen. "Auf eine Ausgestaltung um 1910/20 dürfte die Rankenbemalung von Chorgewölbe und spitzbogigem Triumphbogen zurückgehen", heißt es in einem Faltblatt über die Kirche.

Wer hinein möchte, kann Familie Schmidt anrufen unter (0 33 72) 40 48 70 in der Dorfstraße 24 a oder aber bei Familie Ganze in der Dorfstraße 36 probieren. In beiden Fällen aber nach Feierabend oder am Wochenende. Barbara Schmidt arbeitet zwar im Dorf, doch das Telefon steht zu Hause. Fremde sollten sich an der Kirche verabreden. Denn die Hausnummern im Ort gehen ein wenig durcheinander.

Beim Rundgang durchs Dorf kann ein Abstecher zum sehr gepflegten Teich gemacht und ein Blick auf die Ziergiebel der alten Bauernhäuser geworfen werden.

Märkische Allgemeine vom 10. Mai 2007

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