Mittelalterliche Werke in hoher Dichte

Peter Knüvener verdeutlichte beim Museumsabend die besondere Rolle der Prignitz

MICHAEL BEESKOW

PERLEBERG Weil die Prignitz arm war, ist sie heute reich an alten Kunstwerken. Peter Knüvener brachte in seinem Vortrag über mittelalterliche Flügelaltäre in der Mark Brandenburg seine Verwunderung über deren Dichte in der Region zum Ausdruck. Wie die Besucher des 61. Perleberger Museumsvortrages erfuhren, wird unser Landstrich in dieser Hinsicht nur von der Altmark übertroffen.

Die einfache, aber einleuchtende Erklärung des Doktoranden der Berliner Humboldt-Universität: "Es fehlte in den späteren Epochen einfach das Geld, sich etwas Neues leisten zu können." So blieb mittelalterliche Kunst erhalten, während andernorts viel Geld für etwas Barockes ausgeben wurde. Nur für Perleberg trifft dies nicht zu. Peter Knüvener meinte den mittelalterlichen Altar, der um 1380 entstanden sein mag, 1753 abgerissen und durch einen Barockaltar ersetzt wurde. Der Perleberger Altar dürfte Marie gezeigt haben, die von acht Engeln umgeben wird. Eine der Figuren ist bekannt, wohin die anderen verkauft wurden, blieb bislang unerforscht.

Höchste Wertschätzung zollte er dem Brüsenhagener Altar in Kyritz, den Altären in Mellen, in Pröttlin oder in Grube. Den Rossower Altar um 1310 zählte er zu den zehn bedeutendsten Altären dieser Periode in ganz Deutschland. Besondere Bedeutung komme dem Lettner (um 1400) im Havelberger Dom und dem in Wilsnack zu, der aus drei übereinander gestellten Altären besteht.

Er wies die verbreitete Auffassung zurück, dass es sich bei diesen Meisterwerken um Importe handele. Beim Rossower Altar steht jedenfalls fest, dass das Holz, aus dem er geschnitzt wurde, von einem Prignitzer Baum stammt. Die Künstler mögen aus Köln gekommen sein, räumte er ein. In anderen Fällen mögen die Schnitzer aus Magdeburg oder Braunschweig gekommen sein.

Der Prignitz fehlen jedoch die Hauptwerke, die ausstrahlten auf die Region. Er führte den kolossalen Altar in der Salzwedeler Marienkirche an, dessen "Muster" sich in verschiedenen anderen Kirchen der Altmarkt wieder finde.

Zu ihrer Überraschung erfuhren die Zuhörer, dass die Prignitz überhaupt nicht so abseits lag, wie es manchmal scheint. So befinden sich in der Wilsnacker Kirche die einzigen noch erhaltenen holländischen Glasmalereien. Ein Pilger mag sie gestiftet haben. In Holland wurden alle Werke beim Bildersturm vernichtet.

Ähnlich verhält es sich mit der böhmischen Kunst. Als Karl IV. Brandenburg erwarb, kamen viele Künstler aus dem Böhmischen nach Brandenburg und in die Prignitz. Während die Bilderstürmer in den Stammlanden die Werke vernichteten, blieben sie in unseren Breiten erhalten.

Übrigens steht in Mödlich ein in England gefertigter Alabaster-Altar, der der größte seiner Art ist in Deutschland.

Märkische Allgemeine vom 15. Mai 2007

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