Kein Schnee mehr auf der Orgel

Sanierung der Perwenitzer Dorfkirche geht in die zweite Runde

WERNER SCHMIDT

PERWENITZ "Es war schon so, dass der Schnee auf der Orgel lag." Wenn Brunhilde Vandrey an die Anfänge der Kirchensanierung in Perwenitz zurückblickt, schlägt sie noch immer - zumindest im Geist - die Hände über dem Kopf zusammen. Das Dach war kaputt, die Decke marode. Inzwischen ist beides saniert. Längst fällt kein Schnee mehr auf die Orgel, deren Herkunft unbekannt ist. Von der aus der Zeit um 1840 stammenden Kirche wird zumindest vermutet, dass sie von Schinkel-Nachfolger Friedrich August Stüler gebaut wurde. Unterlagen gibt es nicht, sagte Brunhilde Vandrey, die als Vorsitzende des Kirchengemeinderates die Sanierung vorantreibt.

Nach dem Gottesdienst am Pfingstsonntag wird das Gotteshaus erst einmal geschlossen der zweite Bauabschnitt beginnt. Ein Gerüst wird aufgebaut, die neu eingezogenen Deckenbalken erhalten ihren letzten Schliff und auch die Empore soll hergerichtet werden. Unter anderem werden die historischen Ornamente aufgemalt. Die Originalschablonen wurden bei der Restaurierung zufällig gefunden. Als man die im Eingangsbereich rechts und links angebrachten Gedenktafeln für die Gefallenen beider Weltkriege abnahm, kamen sie in Wandnischen zum Vorschein. Wer sie wann und warum dort verborgen hatte, ist ungeklärt.

Sobald die Arbeiten an der Decke beendet sind, kommt die Altarwand an die Reihe: Blauer Himmel mit goldenen Sternen und einem goldenen Band mit Spruch sollen die bisher noch kahle Wand hinter dem Altar künftig zieren.

Seit drei Jahren sind die Handwerker jetzt schon zu Gange: "Ich war damals ziemlich blauäugig", berichtet Brunhilde Vandrey über die Anfänge. Was sie seinerzeit nicht wusste und mit einem saftigen Bußgeld bezahlen musste, war, dass der Denkmalschutz bei alten Kirchen auch immer mitreden möchte: "Heut' frage ich jedes Mal."

Rund 30 000 Euro kostet allein die Deckensanierung. Geld, das die kleine Kirchengemeinde selbst aufbringen muss, denn Fördermittel erhalte sie keine. Man sei auf Spenden und Eigenleistung angewiesen, sagt Brundhilde Vandrey. Etwa 500 Einwohner hat Perwenitz, darunter auch viele junge Menschen. Aber das sind nicht die Besucher der altehrwürdigen Dorfkirche: "Ich bin ein bisschen traurig. Es wäre schön, wenn mehr Junge kämen", beklagt Brunhilde Vandrey.

Auf ihren sonntäglichen Kirchgang müssen die Perwenitzer auch während der anstehenden Bauzeit nicht verzichten. Es gibt ja noch die "Winterkirche": Ein Altarraum vor dem Kirchenschiff, in dem, wie der Name sagt, im Winter Gottesdienst ist, wenn es in der Kirche zu kalt ist.

Märkische Allgemeine vom 26. Mai 2007

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