Übler Besetzer wird vertrieben

Am 2. Juni: Einblick in Kirchensanierung

NUDOW Zum traditionellen Kinder- und Dorffest in Nudow können Interessierte morgen auch einen Einblick in den Stand der Sanierungsarbeiten an der Dorfkirche nehmen. Führungen unter fachlicher Anleitung des zuständigen Bauingenieurs Manfred Guder werden am Samstag, dem 2. Juni, von 16 bis 17 Uhr angeboten. Die dafür notwendigen Bauhelme liegen bereit.

Das kleine Gotteshaus im Herzen Nudows ist eine Patronatskirche. Unter der Regentschaft und dem Patronat des zweiten preußischen Königs, Friedrich Wilhelm I., wurde sie 1733/34 gebaut. Es war der Baumeister Johann Gottfried Kemmeter (Schloss Rheinsberg), nach dessen Plänen der schlichte, rechteckige Putzbau mit quadratischem Westturm errichtet wurde.

Doch hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein neuer, übler Patron breitgemacht. Es handelt sich um den Echten Hausschwamm, der sich besonders über der auf der Südwestecke des Kirchsaales befindlichen Orgel eingerichtet hat. Dort ernährt er sich fleißig vom Holz und sitzt tief im Mauerwerk.

2004 wurde mit Hilfe einer ABM-Kraft zunächst der Turm mit seinem verheerend zerstörten innenliegenden Fachwerk saniert. Nun hat sich der Kirchenkreis ein Herz gefasst und dem fleißig im Pfarrsprengel Ahrensdorf angesammelten Geld einen ordentlichen Betrag hinzugegeben, so dass nun endlich mit der Beseitigung des lästigen Besetzers begonnen werden kann.

Das Gerüst an der Kirche wird erst einmal bis zum 9. August 2007 stehen. Ein schmaler Streifen des Daches wurde aufgedeckt, um zunächst die eingemauerten Balkenköpfe und Schwellen freilegen zu können. Im Barock war diese Bauweise leider üblich, da man schmucke, weit austragende Gesimse bauen wollte, was nur mit mächtigen Widerlagern möglich war, welche leider die Holzkonstruktion zudecken. Das ist ein gravierender Fehler. Denn eingemauertes Holz kann durch in das Mauerwerk eindringendes Niederschlagswasser feucht werden, ohne abzulüften. So bietet es den Nährboden für die Entwicklung holzzerstörender Pilze.

Zurück zum Gesims: Das musste nach den Abbrucharbeiten abgestützt werden, da es nur noch auf einem halben Stein aufliegt, d.h. die Schwellen liegen so dicht an der Außenkannte der Wand, dass das Gesims gar nicht allein aufliegen kann. Nach Abschluss der Arbeiten wird das Mauerwerk - da man die alten Fehler nicht wiederholen sollte - so ergänzt, dass die Schwellen und Balken belüftet werden können. Damit das filigrane "Drumherummauern" hält, wird ein Gegengewicht im Bereich des Auflagers aufgemauert werden müssen.

Eine erste Nachuntersuchung des Holzgutachters hat übrigens die erwartete Verschlechterung seit 2002 bestätigt, allerdings auch keine unerwarteten neuen Schäden zu Tage gefördert. So kann man in den nächsten Wochen immer wieder Zeuge von komplizierten Abstützungen, großen und kleinen "Holzbewegungen" (beachtliche Mengen lagern bereits auf dem Kirchhof) werden. Die gesamte Maßnahme hat ein Volumen von etwa 100 000 Euro. Die Sanierer hoffen, damit wenigstens außen das Gesims in seiner filigranen Gestalt wiederherstellen (ein Restaurator hat Befunde ermittelt) und innen die Decke an den kaputten Stellen wieder neu verputzen zu können. Neuanstriche außen und innen sind derzeit nicht finanzierbar. Doch wer weiß, vielleicht kommt ein neuer Patron in Gestalt edler Spender und macht Unerwartetes möglich. M.G./MAZ

Märkische Allgemeine vom 01. Juni 2007

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