Garnisonkirche als Vorbild

Die kleine Dorfkirche zu Drewitz wird 275 Jahre alt

SEBASTIAN SCHOLZE

Aus dem Fenster auf der Empore kann man im Garten nebenan Enten sehen. Irgendwo meckert ein Schaf. Hinten, auf dem wild-romantischen Friedhof, kurz bevor der Gottesacker unter der großen Eiche ins Feld übergeht, rankt sich der Efeu an Bäumen empor. Oft wissen nicht einmal Potsdamer Taxifahrer, wo die kleine quadratische Kirche steht. Während all seiner 275 Jahre hat sich das Gotteshaus seinen dörflichen Ursprung bewahrt.

Genau wie das nicht weit entfernte Jagdschloss am Stern wurde die Kirche 1732 fertig gestellt. Die Legende, nach der der Alte Fritz ein Einsehen mit den Bäuerinnen von Drewitz gehabt habe, die bis dato immer den Weg bis nach Güterfelde zurücklegen mussten, wenn sie zum Gottesdienst wollten, und ihnen die Kirche bauen ließ, stimmt wohl nicht. Pfarrer Andreas Neumann, seit Anfang 2005 für rund 1200 Gemeindemitglieder verantwortlich, hat dennoch Besonderes entdeckt: "Man hat beim Bau einfach den Grundriss der Garnisonkirche verkleinert. So entstand das quadratische Format." Baumeister war Gottfried Kemmeter.

Es ist hell und licht im Innern. Sehr nah sind die hölzernen Sitze am Altarraum. Und obwohl es vor 1732 kein anderes Gotteshaus in Drewitz gab, benutzt Pfarrer Neumann ein Taufbecken mit der Prägung "Drewitz 1711". Das kann er in letzter Zeit häufiger hervorholen: "Mit vielen jungen Familien, die nach Drewitz ziehen, wächst auch die Gemeinde." Noch ist man mit rund zehn Prozent der Bevölkerung aus dem Umkreis unter dem Brandenburger Schnitt. Dreimal im Monat ist Gottesdiesnt, es gibt Feste und Konzerte.

"Mein ganzes Leben ist mit dieser Kirche verbunden", sagt Sabine Schnieber. "Ich wurde hier getauft, konfirmiert und auch getraut." Seit 1970 ist sie im Gemeindekirchenrat; jetzt auch seine Vorsitzende. "Die Menschen aus dem Ort haben sich schon immer sehr für ihre Kirche eingesetzt, zur DDR-Zeit selbst Genossen und Abgeordnete", erinnert sie sich. "Bevor wir mit dem Gemeindezentrum der Versöhnungskirche neue Räume erhielten, haben wir den Kindergottesdienst in einer Ecke auf der Empore abgehalten - nur mit einem Vorhang vom eigentlichen Gottesdienst getrennt." Auch die Zeit der Dachstuhlsanierung, nach der eine Anwohnerin beim Glockenläuten den hölzernen Turm bedenklich hatte wackeln sehen, wurde so überstanden.

Morgen wird ein Fest gefeiert. Und das Geschenk ist auch schon da: "Wegen der Pflanzzeit steht das Apfelbäumchen bereits", lächelt Pfarrer Neumann. "Aber gießen werden wir es noch einmal."

Märkische Allgemeine vom 23. Juni 2007

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