Begleitung durchs ganze Leben

Biesener feierten 300-jähriges Bestehen der Dorfkirche

UTA KÖHN

BIESEN Diese Kirche kann durchaus mit Zahlen beschrieben werden: Baujahr 1707, 80 Sitzplätze unten, 40 weitere oben. Es gibt eine Holzkassettendecke mit mehr als 900 Feldern. Bekannt ist auch, wie hoch der erste Kirchturm war (20 Meter) und wann die noch erhaltene die älteste Glocke gegossen wurde (1508). Aber wohl niemand kann je nachvollziehen, wie viele Menschen in den zurückliegenden 300 Jahren in die Biesener Kirche gekommen sind und wie viele Gebete sie zum Himmel geschickt haben.

Am Sonnabend war die kleine Dorfkirche mal wieder voll besetzt. Den Festgottesdienst aus Anlass des 300. "Geburtstages" der Kirche wollten sich die Biesener und viele Gäste aus Wittstock und Nachbardörfern nicht entgehen lassen. Und so waren nicht nur die 80 Plätze unten, sondern auch die meisten Plätze auf der Empore besetzt.

Pfarrer Jürgen Behnken erinnerte in seiner Predigt an den hohen Stellenwert der Kirche für die Menschen im Ort. Sie haben sich dafür engagiert und sich gemeinsam Gott zugewandt. Sie sind in die Kirche gekommen, weil sie in Trauer waren, um eine gute Ernte oder gute Zensuren bitten wollten oder um Gesundheit.

Noch heute hat die Kirche einen hohen Stellenwert für Biesener. Vor ein paar Jahren hat sich eine Gruppe von Gemeindegliedern zusammengefunden. Gemeinsam wurde überlegt, wie man den Verfall des Gotteshauses stoppen könnte. Es wurden Vorschläge unterbreitet und Pläne erstellt. Trotz der nötigen Abstriche wegen mangelnden Geldes blieb der Eifer. Behnken erinnerte sich an eine regelrechte Dorffest-Stimmung bei den Arbeitseinsätzen. "So viele fühlten sich verantwortlich." Der Dachboden wurde aufgeräumt, vor der Kirche Rasen gesät. Das Dach ist jetzt fertig. Aber die Kirche sei nicht viel Wert, wenn die Menschen nicht Leben hinein bringen.

So wie das Fest am Sonnabend für die Biesener Kirchgänger etwas Besonderes war, hat auch ihre kleine Kirche einiges an Besonderheiten zu bieten. Da ist zum Beispiel die wunderschöne Kassettendecke, die sich wie ein Teppich vor dem Betrachter ausbreitet. Von den großen Kassetten gleiche keine der anderen, sagt Birgit Buro, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Blumenmotive immer wieder anders, alle für sich wunderschön. Vereinzelt sitzen Vögel auf den Blüten. Man kann sich nicht sattsehen an dieser Decke.

Die dreiseitige Empore mit der barocken Orgel aus dem Jahre 1825 ist ein Geschenk einer Familie aus Eichenfelde an die Kirche. Sie ist ein weiterer Blickfang in dem Gotteshaus. Bibelsprüche an der Empore begleiten den Menschen von der Geburt bis ins Grab.Der rechteckige Putzbau hatte bis zum Jahr 1927 einen Fachwerkturm. Der war baufällig und musste abgerissen werden. Im Zuge der Bauarbeiten wurden auch die Treppen zu den Emporen verlegt, so dass dadurch ein freier Überblick über die ganze Kirche möglich wurde.

Märkische Allgemeine vom 09. Juli 2007

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