Wiederaufbau ist eine Erfolgsgeschichte

BÜRGERFEST Zerstört, verfallen, zugewachsen die Strehlower Kirche bietet vor Jahren einen traurigen Anblick. Nun hat das Dorf dieses Gebäude wieder.

Von Wolfram Otto

 
Nach Abschluss der umfangreichen Sanierung der Kirche Streh-low fanden sich sehr viele Menschen zu einem Bürgerfest ein.
 
Die frisch sanierte Kirche von Streh-low strahlt weithin.Ulrich Blumendeller, Wilhelm Gysae, Maximilian und Jaqueline Kettelhack (von links nach rechts) bei der Einweihungszeremonie.

Strehlow. Die Erfolgsgeschichte des Wiederaufbaus der Kirche in Strehlow fand mit einem Bürgerfest ihren (vorläufigen) Abschluss. Dieser soll zugleich der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte des reinen Feldsteinbaus sein. Im 13. Jahrhundert erbaut, hat das einstige Gotteshaus Freud und Leid der Gemeinde bis 1945 begleitet. Dann wurde es durch Kriegseinwirkung zerstört. Während der "sozialistischen" Jahre hatte kaum jemand Interesse daran, das Bauwerk wiederherzustellen. So siechte die Kirche vor sich hin, bis sie fast völlig hinter Bäumen und Sträuchern verschwunden war. 1992 entdeckte die Familie Dietrich Kettelhacks die Kirche. Der promovierte Apotheker erinnerte sich, dass seine Vorfahren bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts die Patronatsherrschaft über Strehlow innehatten. Er entschloss sich aus historischem Verantwortungsgefühl heraus, dem Dorf die Kirche wiederzugeben und damit die alten Patronatspflichten wahrzunehmen. "Kirchen waren immer nicht nur geistliche Mittelpunkte des Lebens in Kommunen, sondern auch gesellschaftliche Zentren", erinnerte Landrat Klemens Schmitz (parteilos) während seiner kurzen Festansprache zur Wiedereröffnung.

Die Kettelhacks wurden erneut Landeigentümer in Strehlow, sie gründeten die Potzlower Agrargesellschaft. 2004 kaufte das Unternehmen die Kirchenruine. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr konnte im Sommer 2006 der erneuerte Kirchturm übergeben werden. Sein erstes Geläut erklang zur Beerdigung Dietrich Kettelhacks. Dessen Familie und die Agrargesellschaft setzten die Bauarbeiten fort. Das Bauwerk wurde neu eingedeckt und steht seit Sonnabend den Dorfbewohnern als schlichte Halle für Veranstaltungen aller Art zur Verfügung. Einziger Schmuck des Raumes: die alte Turmbekrönung. "Hier können kirchliche Veranstaltungen ebenso stattfinden wie Konzerte, Vereinsfeiern oder private Feiern", so Ulrich Blumendeller, Geschäftsführer der Agrargesellschaft Potzlow. Einzige Bedingung sei, dass der Charakter der Umgebung nicht beeinträchtigt werden dürfe. Dieser sei durch den umliegenden Friedhof geprägt. Die ersten Anmeldungen für Hochzeiten lägen bereits vor. Zum Bürgerfest zur Eröffnung fasste das erneuerte Gebäude kaum die rund 200 Gäste. Freude und Genugtuung darüber überwog, dass es gelungen ist, etwas unmöglich Scheinendes zu realisieren. Immerhin hat die Agrargesellschaft, der das Bauwerk nun gehört, rund 300.000 Euro für die Sanierung aus den Unternehmensgewinnen bezahlt. Weitere 100.000 Euro kamen aus den Spenden oder Fördermitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hinzu. Nachdenkliche Töne gab es während des Festes vom Ortsbürgermeister Johannes weber, er sich eine noch bessere Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem Landwirtschaftsbetrieb wünschte, sowie vom Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises, Reinhard Müller-Zetzsche. Dieser stellte die Frage, was man mit einer Kirche anfange, die keiner wirklich brauche. Denn formal-rechtlich sei das Gebäude keine Kirche mehr. Der Superintendent verwies darauf, dass in das alte, neue Dorfzentrum nur dann neues Leben einziehen könne, wenn man es auf neue Wurzeln stelle und der Wille vorhanden sei, etwas daraus zu machen.

Frieda Abraham, die es 1948 aus Pommern zu Verwandten nach Strehlow verschlagen hat, erinnerte an den Schmerz, mit ansehen zu müssen, wie die Kirche des Dorfes mit den Jahren immer mehr verfiel. Desto größer sei ihre Freude, den Wiederaufbau miterlebt zu haben.

Jaqueline Kettelhack, Witwe des Initiators der Sanierung versprach, dass ihre Familie über die Agrar-GmbH die Tradition der Patronatspflichten für das Bauwerk weiterhin wahrnehmen werde. Voraussetzung wäre allerdings das wirtschaftliche Gedeihen des Unternehmens. Sie übertrug diese Verantwortung vor der versammelten Gemeinde eindrucksvoll auf den erst 11-jährigen Sohn Maximilian, der sich seiner Pflicht aber durchaus selbstbewusst zu stellen scheint. Bleibt zu erwähnen, dass zum Bürgerfest die Bläsergruppe "Blech Potzlow" und der Kirchenchor, beide unter der Leitung des Blankenburger Pfarrers Siegfried Arndt, der Kindergarten Potzlow mit einem kleinen Programm und die Jagdhornbläsergruppe Prenzlau / Brüssow beitragen haben.

Uckermark Kurier vom 17. Juli 2007

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