Das letzte schwierige Drittel

Förderverein will auch für das Innere der Woltersdorfer Kirche sammeln

CLAUDIA NACK

 Dorfkirche Woltersdorf

WOLTERSDORF Zwei Drittel der Wegstrecke ist geschafft. "Von außen sehen wir eine schick sanierte Dorfkirche", freut sich Helmut Scheer. "Doch das letzte Drittel wird sehr schwierig", überlegt der Vorsitzende des 2004 gegründeten und 13 Mitglieder zählenden Fördervereins. Nicht alle sind Kirchgänger, doch alle Woltersdorfer eint ein Ziel: die Rundum-Sanierung ihrer Dorfkirche. Als dritter und letzter Abschnitt soll das Innere hergerichtet werden. Doch andere Töpfe als die von der evangelischen Landeskirche und dem Kirchenkreis in Aussicht gestellte anteilige Unterstützung gebe es derzeit nicht. "Vielleicht ist das Sammeln jetzt noch wichtiger als bisher", so Scheer.

Seit 2005 seien in zwei Bauabschnitten rund 230 000 Euro in die Sanierung von Dachkonstruktion und Decke sowie der kompletten Außenhülle geflossen finanziert je zur Hälfte über den Staat-Kirche-Vertrag sowie aus Eigenmitteln der Kirche und Spenden. Der Förderverein selbst habe 36 000 Euro beisteuern können. "Eine schöne Leistung", lobt Scheer die Arbeit seiner Mitstreiter. Neben dem Startkapital des Förderkreises "Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" brachten sich bei den Gönnern die Rudolf-August-Oetker-Stiftung Bielefeld und die Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam besonders ein. Der Förderverein habe sich aber auch über eine größere Summe vom Gut Herrenholzer und der BSA Brandenburg Stahl-Anlagenbau GmbH gefreut, letztere habe Mitglied Horst Neuhäuser eingeworben, betont der Vorsitzende. Doch die meisten Anfragen seien nicht von Erfolg gekrönt, was bisweilen deprimierend sei. Von rund 150 Bittbriefen davon allein 40 an Stiftungen die er bisher deutschlandweit verschickte, seien 95 Prozent nicht oder abschlägig beantwortet worden. "Das Feld derer ist groß, die aus privaten Mitteln gesellschaftliche Aufgaben durchführen wollen, weil sie der Staat nicht finanziert", weiß Scheer. Gerade daher liegt ihm die Botschaft am Herzen: "Wer in der Lage ist, etwas zum Gemeinwohl beizutragen, sollte es tun."

Für die Innenrenovierung einschließlich Sanierung der Winterkirche und Instandsetzung der 1872 vom Hallenser Baumeister August Wäldner gebauten Orgel werden grob geschätzt 105 000 Euro benötigt. Die restauratorische Voruntersuchung sei jetzt von der Unteren Denkmalschutzbehörde genehmigt worden, was laut Scheer fünf Monate gedauert habe. Welche Wünsche aus dem von Architektin Heidrun Fleege vorgelegten Sanierungskonzept erfüllbar seien, werde man sehen. Ziel sei es, noch 2007 zu beginnen.

Die Woltersdorfer Kirche war 1826/27 in klassizistischen Formen als Ersatz für ein aus dem 16. Jahrhundert stammendes Gotteshaus auf Geheiß der Patronatsfamilie von Werder errichtet worden. Zu DDR-Zeiten bewahrte bürgerschaftliches Engagement die Dorfkirche vor dem Verfall, die vor sieben Jahren ins Denkmalverzeichnis des Landkreises aufgenommen wurde.

Märkische Allgemeine vom 18. Juli 2007

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