Entdeckungstour durch heilige Orte

AUFTAKT. Erstmals laden sieben Kirchen in der Uckermark dazu ein, auf eine Kirchen-Kunst-Tour zu gehen

Von Sigrid Werner

Fergitz. Lutz Kommalein schien begeistert. Nicht nur dass die Fergitzer Kirche am Sonnabendnachmittag fast bis auf den letzten Platz gefüllt war und einige Gäste sogar stehend das zeitgenössische Programm des "Nova Volkova Ensembles" aus Berlin erlebten. Nein, auch er fand mit seiner Installation aus Dachschieferplatten im Kirchenschiff eine völlig neue, interessante Möglichkeit, auf seine Art moderner Kunst aufmerksam zu machen. Lange hatten die aus einem Abriss stammenden, weggeworfenen Dachschiefer unter seinem Bett gelegen, bis er begann, damit zu experimentieren. Stabfiguren, ja sogar einmalige Möbelstücke entstehen so unter den geschickten Händen des Bildhauers und Grafikers. Sehr gefragt bei innovativen Architekten. Und nun vielleicht auch noch bei einem breiteren Publikum. Genau das ist Anliegen der Kirchen-Kunst-Route 2007: das Wirken heimischer Künstler bekannt zu machen, Einheimischen und Touristen zusätzliche Angebote zu unterbreiten und auf Kirchen aufmerksam zu machen, für deren Erhalt und Instandsetzung es sich einzusetzen lohnt. Pfarrer Michael Uecker zeigte sich aufgeschlossen, als Projektleiter Petermichael Metzler mit der Idee zu ihm kam, mittels moderner Kunst Besucher in die sonst nur peripher wahrgenommenen Kirchen zu locken. Auch Wolfgang Schmitt vom Kirchenhus Fergitz e.V. war alles andere als böse, das Fergitzer Kirchlein für die Auftaktveranstaltung zur Verfügung zu stellen. Denn gerade wurde mit der ersten Etappe der Turmsanierung begonnen, Spenden sind noch erwünscht.

Wohl wussten beide, dass sie damit auch ein Wagnis eingingen. Schließlich, so hatte es Geschäftsführer Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. treffend formuliert, haben Kirchengemeinden (und nicht nur sie) mit zeitgenössischer Kunst oftmals ihre Schwierigkeiten. Was dürfe in der Kirche gezeigt werden? "Und was bedeutet es?", fragen sich viele. Pfarrer Uecker bemerkte beim Aufbau der Kunstwerke in seinen Kirchen, dass es durchaus spannend sein kann, sich einmal darauf einzulassen und in den Werken nach und nach immer mehr zu entdecken.

Die Gäste der Kirchen-Kunst-Tour zum Auftakt am Wochenende hatten die Gelegenheit, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen. Zwei Busse der Uckermärkischen Verkehrsbetriebe brachten sie kostenlos zu den sieben alten Dorfkirchen nach Fergitz, auch nach Kaakstedt, Gerswalde, Groß Fredenwalde, Boitzenburg, Jakobshagen und Klaushagen. Und in jeder fanden die Besucher nicht nur die Kunstwerke der neuen Meister, sondern sie wurden auch aufmerksam auf jene Baumeister und Künstler, die sich schon vor mehreren hundert Jahren in der Uckermark an den heiligen Orten verewigten.

Immanuel Kant habe einst gesagt, zitierte Bernd Janowski: "Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt." Das sei mit der zeitgenössischen Kunst zuweilen schwierig, oft benötige man eine Bedienungsanleitung, um sie zu verstehen. Die Gäste der Kirchen-Kunst-Tour am Sonnabend hatten die Möglichkeit, aus erster Hand zu erfahren, was sich Künstler von heute bei ihrer Arbeit denken.

Uckermark Kurier vom 30. Juli 2007

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