Kampf gegen Hausschwamm gewonnen

Grundsanierung der Kirche fast abgeschlossen / Jetzt sammelt Nudow für elektrisches Geläut

JENS STEGLICH

NUDOW Das Jahr 2007 wird in die Nudower Ortsgeschichte eingehen. Es ist das Jahr, in dem der Kampf gegen den Hausschwamm gewonnen wurde, der bedrohlich an Holzbalken und Mauerwerk der kleinen Dorfkirche nagte, bevor ihm die Sanierer nun das Handwerk legen konnten.

Und es ist das Jahr, in dem eine neue Ära eingeläutet wird im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nach der Grundsanierung der Kirche soll dort auch ein Stück Moderne Einzug halten: Das Gotteshaus bekommt ein elektrisches Geläut. Um das zu finanzieren, sammelt die Kirchengemeinde gerade Geld im Ort allen voran der Frauenkreis. Die Nudower haben inzwischen über 6000 Euro dafür gespendet, gebraucht werden 6500 Euro, weiß Elfriede Bittner vom besagten Frauenkreis. Sie weiß auch um die Vorteile, die so ein elektrisches Geläut hat. Fast 30 Jahre bediente sie die drei Nudower Glocken per Hand. Vor allem die Große war schwer in Gang zu setzen, sagt die 88-Jährige, die bis in ihr 80. Lebensjahr die Kirchenglocken läutete. Jetzt steht die zweitälteste Einwohnerin quasi mit an der Spitze der Spendensammler, die dafür sorgen wollen, dass noch in diesem Jahr alles per Knopfdruck in Bewegung gesetzt werden kann.

Ist die neue Zeit dann eingeläutet, soll bewusst an die alte erinnert werden. Fortan will man den Glockenklang auch wieder mittags 12 und abends 18 Uhr erschallen lassen so wie früher, als das Läuten die Bauern im Ort an den Mittagstisch rief oder ihnen den Feierabend anzeigte. Das Geläut der 1733/34 erbauten Kirche kündete einst aber auch von dramatischen Ereignissen. Im Krieg, wenn es nach einem Fliegerangriff brannte, waren die Glocken genauso zu hören wie am 1. September 1939, als das Unheil mit dem Überfall Nazideutschlands auf Polen begann. An diesem Tag läuteten sie eine Stunde lang, erinnert sich Elfriede Bittner, die 1933 nach Nudow kam und eine Großfamilie durch gute und schlechte Zeiten brachte.

Dieser 1. September 1939 ist für sie mit persönlicher Tragik verbunden. Eigentlich sollte ihr damaliger Mann zu diesem Termin aus dem Militärdienst entlassen werden. Stattdessen musste er in den Krieg ziehen und kam nicht wieder. Das Glück kehrte aber zu ihr zurück. Es kam genau genommen aus dem Riesengebirge. Ihr jetziger Ehemann stammt von dort, gehört zu den Deutschen, die nach dem Krieg aus der alten Heimat vertrieben wurden. Er landete in Nudow und später in den Armen von Elfriede Bittner. Beide feiern am 10. August ihre Goldene Hochzeit.

"Wir werden alles dafür tun, dass das Paar den Segen zur Goldenen Hochzeit in der Nudower Kirche bekommt", sagt Thomas Engelhardt, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. Engelhardt hofft, dass die Gerüste im Innenbereich am 6. August abgebaut werden, um den Kirchensaal danach herausputzen zu können. Spätestens bis zum 26. August soll Phase zwei der Sanierung, in der man den Hausschwamm vertrieb und das Kirchenschiff erneuerte, endgültig abgeschlossen sein. Dann eröffnet im Gotteshaus wieder eine der Bilderausstellungen, für die Nudow inzwischen bekannt geworden ist.

Ausstellungen, die auch Geld in die Sanierungskasse bringen sollen. Denn komplett ist das Werk noch nicht. Nach Turm- und Kirchenschiff-Erneuerung fehlt noch Phase drei die Innensanierung, für die noch eine Menge Geld gebraucht wird.

Märkische Allgemeine vom 31. Juli 2007

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