Holzdecke mit Bauernmalerei

Der Nordanbau des Petkuser Gotteshauses vermittelt eine wohnliche Atmosphäre

Kirchen sind oft das markanteste Gebäude im Dorf. Deshalb wecken sie das Interesse. Um es zu befriedigen, gibt es die Initiative "Offene Kirchen". Die MAZ stellt in loser Folge die des Kreises Teltow-Fläming vor.

GERTRAUD BEHRENDT

PETKUS Zwei große Linden stehen gegenwärtig in voller Blüte. Sie flankieren den Eingang zur Kirche in Petkus. Und die darf sogar allein betreten werden. Den Schlüssel gibt es gleich gegenüber bei Familie Hollmann. Eine ältere Dame öffnet, blickt erst mal kritisch und fragt woher man käme. Dann ist Zeit, die Neugier zu befriedigen und die Stille im Gotteshaus zu genießen. Allerdings nur, wenn kein Auto unterwegs ist. Denn der Straßenlärm dringt durch die Tür.

Auffallend sind schon die vielen Epitaphe außen an der Kirche. In der Reihe der Inschriftgrabsteine sind zwei schlafende Putto, eine bekränzte Urne und jede Menge anderer Details zu entdecken. Auf manchen Steinen ist der Text noch gut lesbar.

Gleich im Eingang ist das bedeutendste Epitaph auf der rechten Seite zu finden. Es ist das für Pastor Christian Koehter, der 1740 gestorben ist. Seine Vita steht auf dem steinernen Tuchgehänge, darüber zieren Bibel und Kreuz den Stein.

Im Kirchenschiff schmücken Kerzen jede Sitzreihe. Die olivbraunen Bänke sind mit rotweißer Einfassung bemalt. Am Ende einiger Reihen ist ein gesonderter Platz abgeteilt.

Heinz Hollmann weiß auch nicht, warum das so ist. Dabei ist der Kirchenälteste im Ruhestand schon 85 Jahre. Noch älter ist nur sein schmuckes Haus, "das ist von 1905", sagt er. Doch über die Unterteilung der Kirchenbänke hat der freundliche Mann noch nie nachgedacht. Er weiß nur, dass die Bänke schon immer so waren. Eine Frau, die auf keinen Fall genannt werden will, mutmaßt später im Scherz: "Da sitzen die, die ihre Kirchensteuer nicht bezahlt haben."

Heinz Hollmann klärt indes andere Details: "Meine Nachbarin ist noch im Gemeindekirchenrat und hat auch einen Schlüssel." Denn in der Broschüre "offene Kirchen" steht er mit der Adresse Dorfstraße Nummer 3 und die Nachbarn, Familie Hannemann, mit Hauptstraße 4. Beide Häuser stehen aber in der Petkuser Hauptstraße direkt gegenüber der Kirche nebeneinander.

In dem spätromanischen Bau sind weitere barocke Grabsteine. Auch sie geben über die Lebensläufe der Verstorbenen Auskunft. Beispielsweise, wie viele Kinder geboren wurden, wie lange verheiratet Johanna Hacke war und wann sie starb.

Der Saalbau aus Feldsteinquadern mit eingezogenem Chor und Apsis stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts . Auf der Südseite ist eine rundbogige Priesterpforte erwähnenswert und große Rundbogenöffnungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Der hohe Turm ist Richtung Westen ausgerichtet, wie es sich gehört. Bis in Firsthöhe wurden Feldsteine verwendet, die Obergeschosse und der Giebel erhielten den wertvolleren Backstein.

Der Nordanbau ist noch jünger; er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts hinzugefügt. Zu dieser Zeit wurde das flachgedeckte Innere mit der Hufeisenempore restauriert. Die Empore und die Holzdecke sind mit Bauernmalerei versehen. Die bunten Blumen an der Decke nehmen so dem Ort die Strenge. Das verwaschene Blau über dem Altar erinnert an den Himmel.

Innen lockert der Nordanbau links vom Altar die Gestaltung auf. Der abgesonderte Raum am Altar regt zum Nachdenken an, ob die einstigen Nutzer die anderen Kirchenbesucher im Schiff lieber nicht sehen wollten. Selbstverständlich muss da die Neugier befriedigt werden. Doch die Loge dient nun zum Abstellen von allerlei Dingen. Nur der alte Ofen in der Ecke erinnert noch daran, dass der Raum früher anders genutzt wurde. Der Altartisch hinter dem Taufbecken gehört zur modernen Ausstattung.

Ein Stuhl hinter der Orgel versperrt den Zugang zum Turm nur symbolisch. Den Weg nach oben säumen tote Fliegen.

Informationen zur Kirche liegen bereit; sie stammen aus dem Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Zusätzlich liegen Blätter über das Dorf und über die Gottesdienste zu Jubiläen und Beerdigungen der letzten Monate bereit. So das Programm für den Gottesdienst bei Dienstantritt des Pfarrers Joachim Boekels im Oktober 2006.

Wer mehr über Kirche und Ort erfahren möchte, muss nach der Chronik fragen. Für die hinterließ ein Pfarrer die Berechnung von 1800 bis 1859, dass in Petkus auf elf, in Kaltenhausen auf etwa 16 Kinder, ein uneheliches kommt.

Petkus wurde 1229 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte bis 1815 zu Sachsen. Von 1816 bis 1945 hatte die Familie von Lochow das Patronat. Bekannt wurde der Ort durch die Pflanzenzüchtung, mit der 1881 Ferdinand von Lochow begonnen hat. Nach seinem Tod 1924 setzten seine Kinder sein Werk fort. In seinem einstigen Gutshaus ist jetzt das Skatehotel.

Auch Kräutergarten, Tee- und Keramikstube und viele andere Häuser haben eine lange Geschichte. Am auffälligsten ist wohl die Bockwindmühle von 1835.

Märkische Allgemeine vom 10. August 2007

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