Kirchen bedeuten auch Heimat

SANIERUNG. Berliner Förderkreis Alte Kirchen stellt im Haus an der Redoute aus

Von Mathias Nofze

BAD GODESBERG. Küstrinchen im Landkreis Uckermark in Brandenburg: Mitten im 50 Seelen zählenden Dorf steht eine barocke Saalkirche, die noch vor wenigen Jahren vom Einsturz bedroht war. Inzwischen sind Dachstuhl und Dacheindeckung instand gesetzt, der Turm wurde saniert und das Gesims neu aufgemauert. Die Sanierung des Innenraums ist in vollem Gange.

Die Rettungsmaßnahme verdankt sich dem Wirken des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Der 1990 gegründete, politisch und kirchlich unabhängige Verein informiert derzeit über Positivbeispiele mit einer Ausstellung im Haus an der Redoute in Bad Godesberg über seine Arbeit und seine Zielsetzung. Sie trägt den Titel "Gefährdete Schönheit - Dorfkirchen in Brandenburg" . Die Zielsetzung des Förderkreises besteht darin, "die Instandsetzung, Erhaltung und angemessene Nutzung" von Dorfkirchen in Brandenburg zu fördern.

Küstrinchen ist auf diesem Weg ein Positivbeispiele. Doch gibt es noch eine Menge zu tun, wie Hans Krag vom Vorstand des Förderkreises anlässlich der Ausstellungseröffnung erläuterte. Schließlich ist von den rund 1 400 Brandenburger Dorfkirchen erst die Hälfte saniert, etwa 500 befinden sich in einem einigermaßen erträglichen Zustand, während die übrigen 200 kaum zu nutzen sind oder schlicht als Ruine klassifiziert werden müssen. Die Ursache für den Verfall vieler Dorfkirchen liegt für Krag in der religionsfeindlichen Erziehung in der ehemaligen DDR: "Christentum war Aberglaube." Die Mitglieder mancher Kirchengemeinde lassen sich an einer Hand abzählen, nicht selten betreut ein Pfarrer bis zu 15 Gemeinden, die hohe Arbeitslosigkeit (in der Uckermark beispielsweise 30 Prozent) sorgt zusätzlich für ein Schwinden der Kirchensteuereinnahmen.

Geld für den Unterhalt von Kirchen ist da kaum vorhanden. Ein Aufschrei gehe erst durchs Dorf, so Krag, wenn Verkauf und Abriss einer Dorfkirche zur Debatte stünden. Dann wachse die Einsicht, dass "eine Kirche mehr als ein sakraler Zweckbau", nämlich ein Stück Heimat sei. Damit das erhalten bleibt, nimmt man nach einer Sanierung auch eine andere Nutzung in Kauf, etwa als Konzertstätte, Kulturhaus oder Heimatmuseum.

Der 400 Mitglieder zählende Förderkreis sei "seit Jahren ein wichtiger Bündnispartner", hob Gerhard Eichhorn hervor, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit Sitz in Bad Godesberg. Seit 1991 hat die DSD allein in Brandenburg die Instandsetzung von 113 Kirchen gefördert. Eichhorn erinnerte zudem an den von der DSD 1993 eingerichteten "Stiftungsfonds Dorfkirchen", dessen Jahreserträge von rund 400 000 Euro vor allem für Dorfkirchen in den östlichen Bundesländern eingesetzt werden.

2006 flossen insgesamt rund 6,1 Millionen Euro Fördergelder der DSD in den Erhalt von Sakralbauten in ganz Deutschland. Zur Rettung bedrohter Dorfkirchen leisten auch (von der DSD verwaltete) Treuhandstiftungen einen wesentlichen Beitrag. In der Ausstellung sind zahlreiche Informationsmaterialien zum Thema erhältlich, daneben auch ein schmucker Fotokalender über Dorfkirchen mit dem Titel "Die Schönen vom Lande".

Die Ausstellung ist noch bis Samstag, 1. September, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Bonner Generalanzeiger vom 10. August 2007

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