Ein Glasdach für den Stein der Gutsherrin

Uetzer Dorfkirche beteiligt sich erstmals am Tag des offenen Denkmals am 9. September

SEBASTIAN SCHOLZE

Das Dach ist dicht, der Turm gegen Tauben gesichert 
Das Dach ist dicht, der Turm gegen Tauben gesichert.
Foto: Christel Köster

UETZ Das Ziffernblatt des Kirchturmes erstrahlte gerade wieder in neuem güldenem Glanz, als ein kräftiges Gewitter buchstäblich dazwischenfuhr. Am Morgen nach dem Sturm fand man den Minutenzeiger auf den Stufen des Gotteshauses. "Zum Glück war alles neu und somit versichert", ist Thomas Sager, Mitglied im Gemeindekirchenrat noch heute froh. Jetzt befindet sich der Zeiger wieder an seinem Platz und das halbautomatische Läutwerk verrichtet pünktlich seinen Dienst.

Es wäre auch schade gewesen, wenn zum Tag des offenen Denkmals am 9. September, an dem sich die kleine Gemeinde im Nordwesten mit ihrer Kirche zum ersten Mal beteiligen wird, nicht die Glocken zu hören gewesen wären. Schon im 14. Jahrhundert stand in Uetz an dieser Stelle eine Kirche. Das heutige Gotteshaus datiert aus dem Jahr 1689. Allerdings bröckelt der Charme der Kapelle. Der Zahn der Zeit hat an ihr genagt. Feuchtigkeit sitzt in den Mauern. Die mit Symbolen für die vier Evangelisten bemalte Holzdecke des Tonnengewölbes ist geschwärzt, wahrscheinlich vom Rauch des eisernen Ofens in der Ecke. In der kleinen Patronatsloge ist die Deckentäfelung mit Rittersymbolen versehen und wesentlich heller. "Sie ist zwar von Würmern befallen, aber wahrscheinlich befindet sie sich noch im Originalzustand", vermutet Wolfdietrich Max Vogt, der das Gotteshaus als Architekt seit Jahren betreut.

Vogt weiß, dass sich vieles an der Kirche gebessert hat: "Mittlerweile ist das Dach im Prinzip dicht. Das Regenwasser läuft durch eine Umleitung nicht mehr ins Mauerwerk. Dadurch ist es im Innenraum schon viel trockener geworden". Es bleibt allerdings noch viel zu tun. "Das Dringlichste wäre, die Fugen der Fassade abzudichten", erklärt er. "Dann könnte man mit einem Gutachten erfassen, wie man mit dem Innenraum fortfährt." So genannter Opferputz könnte innerhalb von fünf Jahren die Restnässe aus den Mauern ziehen. Aber Gutachten und Bauarbeiten sind teuer und die Gemeinde ist überschaubar. "Darum will ich auch die Kirche öffnen", lächelt Sager. "Wenn die Leute unser Kleinod sehen, öffnen sich ihre Herzen ganz von allein." Kaffee und Kuchen wolle man den Besuchern zwischen 10 und 16 Uhr reichen. Vielleicht erklingt auch die Orgel, die bisher nur von der berühmten Schuke-Dynastie berührt wurde und deren Pfeifen nach einer Sanierung wieder rein klingen. Neben den vielen kleinen Sorgen am Gotteshaus gibt es eine weitere auf dem Kirchhof die Grabstelle der Gutsherrin Luise Dorothea Christiana von Götzen. Orts-chronist Wolfgang Grittner kennt kein Grab, das älter ist: "Im nächsten Jahr jährt sich ihr Todestag zum 225. Mal." Aber der Grabstein verfällt. Eine Überdachung mit Glasscheiben könnte die Witterung abhalten. Damit wäre dann auch das Kleinod am Kleinod bewahrt.

Am Tag des offenen Denkmals beteiligen sich am 9. September insgesamt 26 Potsdamer Einrichtungen, darunter der Große Refraktor auf dem Telegrafenberg und das Landhaus Andrae in der Berliner Vorstadt. Vorträge finden unter anderem am Modellfort Sanssouci und in den Kirchen der Brandenburger Vorstadt statt. Das ganze Programm findet sich unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.

Märkische Allgemeine vom 17. August 2007

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