Uraltes Uhrwerk soll gerettet werden

Buberower sammeln für Rekonstruktion ihrer historischen Kirchturmuhr

KARSTEN LEWERENZ

BUBEROW Als die Buberower kürzlich zum Kinder- und Dorffest einluden, hatten sie die Feier auch organisiert, um auf die altersschwache Kirchturmuhr aufmerksam zu machen. Ganz besonders gelungen war das Programm in der Kirche, bei dem sogar die gerade erst rekonstruierte Orgel erklang. In der Kollekte kamen etwa 200 Euro zusammen. "Dieses Geld kommt der Kirchturmuhr zugute", sagte Ortsbürgermeister Jörg Rau.

Überhaupt liegt dem Ortsbürgermeister der Erhalt der Dorfkirche aus dem 17. Jahrhundert besonders am Herzen. Das Interesse kommt nicht von ungefähr. Rau wohnt direkt im Schatten des Gotteshauses. Außerdem steht besagte Kirche genau dort, wo das ganz besondere Kennzeichen des Ortes liegt: Im Zentrum des Rundlings, eines Platzes, der von Grundstücken und Wohnhäusern umkreist wird. Die historische Gestaltung des Platzes wird seit Jahren intensiv vorangetrieben, ist aber noch nicht beendet. Am 9. September, dem bundesweiten Tag des offenen Denkmals, kommt ein weiteres gestalterisches Puzzle hinzu. Neben der Kirchentür soll eine Tafel Besuchern Wissenswertes über die Kirchengeschichte vermitteln. An diesem Tag, so Rau, haben die Gäste die Möglichkeit, das interessante Innenleben der Kirche in Augenschein zu nehmen. "Ein spannender Ausflug in die Vergangenheit", verspricht Jörg Rau. Er hat nicht zu viel versprochen. Die Kirchturmuhr soll genau im Jahre 1700 eingebaut worden sein. Das habe er, Rau, einem Kunstkalender über die Provinz Brandenburg entnommen, der Anfang des vorigen Jahrhunderts erschienen war. Von außen unscheinbar, gibt der Kirchturm im Innern einige Geheimnisse preis. Schon der Aufstieg unters Kirchendach ist spannend. Über die Holztreppe gelangt der interessierte Gast ins erste Stockwerk. Hier hängen die beiden gewaltigen Feldsteine, mit denen das Schlagwerk eigentlich in Gang gesetzt wird. Ein ganz besonderer Kraftakt, denn jeder der Feldsteine bringt etwa 60 Kilogramm auf die Waage. Und auch das Uhrwerk ist außergewöhnlich. Es handelt sich nämlich um ein so genanntes Acht-Stunden-Uhrwerk. Wollten die Buberower also wissen, welche Stunde ihnen geschlagen hat, half zunächst ein Blick zur Uhr. Die aber zeigte die korrekte Zeit nur dann an, wenn das Werk aufgezogen war. Und das musste alle acht Stunden passieren. Zum Beweis zieht Rau die Feldsteine hoch. Die Uhr tickt noch heute, obwohl die Ketten und anderen Einzelteile schon arg vom Zahn der Zeit angenagt worden sind. Aber wie gesagt, für den anstrengenden Job ist niemand zu finden. "Wer ist schon bereit, sich alle acht Stunden um die Kirchturmuhr zu kümmern", fragt Rau in die Runde.

Weiter gehtís. Rau erklimmt die nächsten Stufen. Mit dabei auch Willy Krause, der ebenfalls im Schatten der Kirche wohnt. Die Tür zum Dachboden knarrt, lässt sich dennoch leicht öffnen. Hier erschrickt Rau ein wenig: Überall liegt Gewölle, Speiballen von Greifvögeln. Rau vermutet, dass es sich hier oben Schleiereulen gemütlich machen. Früher sei die Kirche regelmäßig gereinigt worden. Wenigstens einmal im Jahr, erinnert sich Krause.

Dann präsentiert der Ortsbürgermeister die echten Schätze der Buberower Kirche: Ehrentafeln aus längst vergangenen Zeiten. Unter anderem eine Ehrentafel für Christoph Werdermann, der im Krieg anno 1871 für König und Vaterland sein Leben gelassen hatte. Vielleicht, so blickt Rau optimistisch in die Zukunft, könnten Tafeln und Grabplatten eines Tages restauriert werden. Immerhin handelt es sich um Zeugnisse der Geschichte des Ortes.

Die Entdeckungsreise ist aber noch nicht beendet. Die nächsten Stufen führen nämlich unters Dach, dorthin, wo die Glocke hängt. Schon auf dem ersten Blick erkennt jeder Besucher, dass die Buberower in die Kirche íne Menge Geld investieren müssen. Geld, das sie derzeit nicht haben. Aber auch kleine Beträge würden helfen, Stück für Stück liebevoll zu restaurieren. Das sei keine Frage von heute und morgen. "Aber einen Anfang sollten wir durchaus wagen", sagt Rau. Vorstellbar sei, sich zunächst der Rekonstruktion des Uhrwerks zu widmen. Das Zifferblatt könnte danach erneuert werden. Bliebe danach noch die Frage, ob die Buberower ein unüberhörbares Schlagwerk wollen oder nicht? Das aber seien zurzeit lediglich Visionen. Ob sie wahr werden, kann heute niemand sagen.

Vorm Abstieg genießen die Buberower noch den Ausblick über die Dächer bis hin zu den störenden Windrädern.

Unten angekommen, präsentiert Rau noch einige Sehenswürdigkeiten: Unter anderem ein Taufbecken, das ebenfalls aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt. 1707 ist eingraviert. Und noch eine Seltenheit ist in Buberow zu finden: Eine so genannte "Heilige Kümmernis", eine Holzfigur, deren Ursprung im Dunkeln liege.

Märkische Allgemeine vom 22. August 2007

   Zur Artikelübersicht