In Manier der Bergsteiger

Spezialisten reparierten fest angeseilt die Dreetzer Kirche

Ein Klempner muss schwindelfrei sein 
Ein Klempner muss schwindel-frei sein, wenn er sich zu Kirchtürmen hinaufwagt. Dirk Tanneberg vertraute sich in Dreetz sogar festen Seilen an.
Foto: Thormann

DREETZ "Kyrill" ist immer noch in bester Erinnerung. Der Orkan beeinträchtigte am 18. Januar das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas erheblich. Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 225 km/h legten teilweise jeden Verkehr lahm, brachen Maste, knickten Bäume und beschädigten auch die höchsten Gebäude in unseren Dörfern, zum Beispiel die Kirche in Dreetz. Am Sakralbau von 1878 büßte die Spitze des Turmes mit Lanze, Kugel und Wetterfahne ihre Festigkeit ein.

Spätestens heute soll der Schaden behoben sein. Dirk Tanneberg und Miroslaw Tulaj von der Firma TSP Spezialbau Drechow in Nordvorpommern wollten eigentlich gestern schon ihren Job erledigt haben. Bereits im Mai hatten sie die geschmiedete Lanze samt schmückendem Beiwerk abgenommen. Vorgestern kam der Ersatz aus Edelstahl bzw. Kupfer wieder nach oben. Siegfried Peter, Kirchenältester in Dreetz, hatte mit wachen Augen beaufsichtigt, dass die Kugel wieder einen Teil jener Dokumente aufnahm, die als geschichtliche Wegweiser dienen. Dazu gehört ein Schreiben von 1938, in dem darauf verwiesen wird, dass ein Blitzeinschlag im Sommer dieses Jahres den Turm schwer beschädigte. Auch die Geldstücke aus jener Zeit kamen wieder in die schmale Kartusche, ergänzt durch Münzen von heute. Die Heimatstube im Ort bekam einige der geborgenen Stücke zur Ausstellung in einer Vitrine übergeben.

Gestern nun stand die Verkleidung der Lanze mit Kupferblech an, viel Zuschnittarbeit, die noch keine klare Aussage zuließ, ob der Auftrag tatsächlich bis Feierabend erledigt werden konnte. Zum Glück war das Wetter den beiden Handwerkern gnädig, sodass sie ohne nass zu werden in alpiner Seilklettertechnik schneiden, löten, hämmern und bohren konnten. Defekte Schieferschindeln wurden gleich mit ausgewechselt. Auch ihnen hatte "Kyrill" zugesetzt.

Märkische Allgemeine vom 14. September 2007

   Zur Artikelübersicht