Irritation um Taufstein

Sanierung der Landiner Kirche würde rund 480 000 Euro kosten

NORBERT STEIN

LANDIN Ortsbürgermeisterin Hanka Gregor traute am Wochenende ihren Augen nicht. Da trugen doch tatsächlich Männer und Frauen den schönen Taufstein aus der Landiner Dorfkirche davon. Hanka Gregor ist zwar nicht Kirchenmitglied, trotzdem läuteten bei ihr alle Alarmglocken. Was soll das? Diese Frage ließ ihr keine Ruhe. Schließlich stellte sie die Transporteure, darunter einige Mitglieder der Familie von Stechow, zur Rede. Sie wollten den Taufstein in die Stechower Kirche bringen, weil die Familie dort eine Taufe feierte, erhielt sie als Antwort.

Eigentlich hat die Stechower Kirche einen eigenen Taufstein. "Aber der aus Landin ist viel schöner. Außerdem ist es ein Jammer, in welch schlechtem Zustand die Kirche ist", sagte Marie-Agnes von Stechow. Ohnehin sei die ganze Angelegenheit mit der Pfarrerin abgesprochen gewesen.

Pfarrerin Gabriele Zieme bestätigt auf Nachfrage, dass sie dem Wunsch der Familie von Stechow zugestimmt hat. Sie sei sogar froh gewesen, dass auf diese Weise der Taufstein kostenlos an den sicheren und trockenen Ort in der Stechower Kirche kommt, wo er heute noch steht.

Aber auch die Pfarrerin hat nicht im Alleingang gehandelt. Bereits vor einem Jahr hat der Gemeindekirchenrat beschlossen, dass Inventar der Landiner Kirche sicher zu stellen, so dessen Vorsitzender Andreas Tutzschke. Von dem genauen Termin des Abtransports habe er zwar nichts gewusst, die Aktion halte er aber für "in Ordnung". Ob der Landiner Taufstein mittelfristig in Stechow bleibt, steht noch nicht fest.

In der Vergangenheit wurden schon andere Gegenstände aus der Landiner Kirche gesichert. So ist der Taufengel jetzt in der Nennhausener Kirche zu sehen. Anderes wurde in das Dommuseum nach Brandenburg gebracht.

Die Landiner Dorfkirche wurde im 18. Jahrhundert gebaut. Unter Denkmalsschutz steht nur der Bau, nicht das Inventar. So ist aus Sicht der unteren Denkmalsschutzbehörde gegen den Abtransport des Taufsteins nichts einzuwenden, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Außer den Bänken befindet sich in dem baufälligen Gotteshaus eigentlich nur noch der Altar. Andachten finden in Landin schon seit Jahren nicht mehr statt. Die Kirche droht zu zerfallen. Von der Decke bröckelt der Putz. Damit her-unterfallende Brocken nicht den Taufstein zerstören können, musste dieser immer wieder an eine andere Stelle gerückt werden. Trotzdem lag schon Putz im Taufstein und Vogelkot. Durch ein kaputtes Fenster konnte Getier noch im vergangenen Jahr in der Kirche ungehindert ein- und ausgehen. Mit den Sicherungsmaßnahmen von 2006 wurde da ein Riegel vorgeschoben. Ansonsten schreitet der innere Zerfall immer weiter fort. Eine dringend notwendige Innensanierung zum Erhalt der Kirche würde nach vorliegenden Schätzungen rund 480 000 Euro kosten. Geld, dass niemand hat und das auch nicht in Aussicht steht. So klingt es schon wie ein Hilferuf, wenn Pfarrerin Zieme sagt: "Wir sind für jeden Vorschlag und für jeden Lösungsvorschlag offen und dankbar".

Märkische Allgemeine vom 28. September 2007

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