Spitzenleistung

Nietwerder feierte mit einem großen Erntefest den neuen Kirchturm

JULIANE FELSCH

NIETWERDER Pathos ist gewiss nicht Harald Bölks Sache. Für die Bewohner von Nietwerder aber hat Neuruppins Musikschuldirektor tief in den Notenkoffer gegriffen. So wie bei einer Siegerehrung sollte es für Nietwerder feierliche Töne regnen schließlich hat der Neuruppiner Ortsteil bewiesen, dass er zu Spitzenleistungen fähig ist.

Ganz offiziell und mit der Hymne der englischen Queen als Eröffnungsmusik wurde am Sonnabend der neue Turm der Stülerkirche in Nietwerder eingeweiht. Zwar ist auf dem Gotteshaus bereits seit dem letzten Augusttag alles wieder an seinem Platz feiern wollte das Dorf dieses Ereignis aber so richtig zusammen mit dem Erntefest, bei dem Feuerwehr und Kulturverein, Kuchenbäcker und Sportler für Stimmung sorgten, dem schmuddeligen Herbstwetter zum Trotz.

Wie beim Erntefest der Neuruppiner Ortsteile vor zwei Jahren stand der Gottesdienst im Mittelpunkt des Festtages. Damals kamen die Besucher zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen dem polnischen Babimost und Neuruppin in der Stülerkirche zusammen. In diesem Jahr nun wegen der Rettung der eigenen vier Kirchenwände.

Als Experten im April 2004 einen Rundgang durch die Kirche machten, war ihr Urteil finster. Das Mauerwerk, das einst das Dach des Turmes gebildet hat, war so verrottet, dass Ausbessern allein wenig genützt hätte. Erst im März dieses Jahres begannen Fachleute, die gesamte Turmspitze abzutragen. Zwischen 2004 und 2007 machten die Dorfbewohner das, was sie konnten: Kontakte knüpfen, Beziehungen zu wichtigen Förderern pflegen, Benefizkonzerte planen. 50 000 Euro konnte die Kirchengemeinde so für die Sanierung des Turmes sammeln, 10 000 Euro kamen von der Stiftung für Kirchenbauten, 2000 Euro gab der Kirchenkreis Wittstock-Ruppin.

Einer, der lange für die Rettung des Stülerbaus gekämpft hat, ist Küster Frank Metzelthin. Unzählige Male stieg er im Turm hinauf um nach dem Rechten zu sehen, die Wände nach neuen feuchten Stellen abzusuchen und die Eimer zu leeren, die er seit Jahren aufgestellt hatte, um das Regenwasser aufzufangen, das bei starkem Unwetter durchs undichte Dach regnete. "Ohne ihn hätten wir aufgegeben", sagt Karin Ehrend- reich, über deren Schreibtisch der ganze Schriftverkehr lief.

Nun ist der Festtag da und Frank Metzelthin hat eigentlich keine Zeit, sich richtig zu freuen. Er muss die Glocke läuten, den Blasebalg der Orgel treten. Während des Gottesdienstes ist doch noch Zeit für ein Dankeschön. Vor dem Altar, der geschmückt ist mit Erntegaben, dankt ihm Pfarrerin Rose Möllhoff-Mylius. Hastig nimmt Frank Metzelthin die Blumen, dann ist er schon wieder weg. Verschwunden in einer anderen Ecke der Kirche, der er erst den Rücken kehren wird, wenn auch das letzte Eckchen restauriert ist.

Märkische Allgemeine vom 01. Oktober 2007

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