Kirche des Ortes nach acht Jahren Sanierung eingeweiht

In Wildenau glaubt man jetzt wieder an Wunder

Propst Siegfried Kasparick sprach am Samstag in der Kirche Wildenau aus, was vor wenigen Jahren wohl noch viele über dieses Gotteshaus dachten: «Hier ist nichts mehr zu machen!» Der Glockenturm hatte sich bereits bedrohlich gesenkt, Bänke waren vom Wurm zerfressen, überall blätterte der Putz von den Wänden. Dass die Kirche heute wieder in neuem Glanz erstrahlt, grenzt deshalb nicht nur für ihn an ein Wunder.

Dicht an dicht drängten sich die Besucher 
Dicht an dicht drängten sich die Besucher des Festgottesdienstes im rundum neu sanierten Wildenauer Gotteshaus.Nun ist alles wieder, wo es hingehört, und nach achtjähriger Bauzeit kann in der Wildenauer Kirche wieder Gottesdienst gefeiert werden. Zu Beginn des Wiedereinweihung brachten Mitglieder der Kirchgemeinde Reliquien in die Kirche, die nun auf dem Altar wieder einen festen Platz gefunden haben.

Acht Jahre dauerten die Sanierungsarbeiten in der Kirche Wildenau an. Mit einem Ergebnis, an das vor dieser Zeit kaum jemand zu träumen gewagt hätte. Dass dieses Wunder dennoch möglich wurde, «verdanken wir in erster Linie dem Engagement der Kirchgemeinde, des Dorfes und vieler freiwilliger Helfer» , betonte Gemeindepädagoge Dirk Lehner während eines Festgottesdienstes anlässlich der Indienstnahme des Gotteshauses. Zugleich fügte er an, dass Christen und Nichtchristen große Erwartungen an diesen Tag hätten. Schließlich sei die Kirche nun wieder das Zentrum des Ortes und gelte mit ihrer jüngeren Geschichte als Hoffnungszeichen für Unmögliches.

Voll des Lobes über das Werk am Gotteshaus war auch der aus Wittenberg angereiste Propst Siegfried Kasparick. Er bezeichnete das Gebäude in seiner Ansprache als «alte und wieder junge, lebendige Kirche» . Wie Lehner verwies auch er auf die besondere Charakteristik des um 1300 errichteten Feldsteinquaderbaus. «Kirchen sind wie Nasen in einem Gesicht. Sie geben dem Ort etwas Unverwechselbares. Diese Nase ist endlich wieder heil und schön.» Er wies die Gäste in der restlos besetzten Kirche aber auch darauf hin, dass es keineswegs selbstverständlich sei, dass sich Kirchen in einem derartigen Bild präsentieren. Für die Zukunft wünschte sich Propst Kasparick, dass die Seelen in der Wildenauer Kirche wieder ein Stück Heimat finden mögen. Schließlich stehe Kirche gerade heute für ein anderes Lebenskonzept als das der alltäglichen Extreme, das die Gesellschaft den Menschen auferlege.

Mit Gebeten stellten die Festgottesdienstteilnehmer sowohl die Kirche, aber auch den Altar, das Taufbecken und die Segenswand wieder in den Dienst. Auf letzterer sind all jene verzeichnet, die in Wildenau innerhalb des Kirchenjahres getauft, konfirmiert, getraut oder beerdigt wurden. Zum Abschluss der Festveranstaltung, der ein gemeinsames Kaffeetrinken folgte, dankten sowohl Kasparick als auch Lehner den 44 Helfern, die das Baugeschehen tatkräftig und freiwillig begleiteten. Allein durch diese gemeinschaftliche Arbeit sei ein Kostenvolumen von etwa 100 000 Euro an unentgeltlichen Stunden aufgebracht worden. Darüber hinaus wurden 300 000 Euro an Spenden, Fördergeldern und Eigenkapital in die Sanierung investiert.

Lausitzer Rundschau vom 01. Oktober 2007

   Zur Artikelübersicht