Mit Gottes Segen

Stimmungsvolles Richtfest für die Heilig-Geist-Kirche / Weiter Geldbedarf

STEFAN KUSCHEL

FALKENSEE "Großer Gott, wir loben Dich, Herr, wir preisen Deine Stärke, vor Dir neigt die Erde sich, und bewundert Deine Werke . . ." wenn eine Kirche gebaut wird, ist das ein ganz besonderes Ereignis. Alles fällt dann stimmungsvoller aus als bei herkömmlichen Bauten. Es wird gesungen und musiziert, Grußworte und Segenswünsche von Kirchenverantwortlichen und Vertretern benachbarter Gemeinden erklingen gleich vielfach. So hinterließ das Richtfest, bei dem der Posauenchor Falkensee spielte, für das neue Gemeindezentrum der Heilig-Geist-Kirche an der Weberallee gestern bei vielen Besuchern einen bleibenden Eindruck.

Das hatte freilich nicht nur religiöse Gründe. Es lag auch daran, dass Zimmermannsmeister Olaf Sawall dienstlich verhindert war sein Richspruch war deshalb als filmische Konserve zu sehen. Baudezernent Harald Höhlig, der im Namen der Stadt Glückwünsche überbrachte, griff diesen technischen Winkelzug humorvoll auf. "Ich habe jetzt 30 Jahre mit dem Bau zu tun, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt ich bin wirklich live hier, nicht als Video, aber vielleicht hätten wir auch einfach eine E-Mail schicken können." Dieser zweite Kirchenneubau in der jüngeren Geschichte der Stadt (die evangelisch-freikirchliche Gemeinde an der Poststraße ist um die Jahrtausendwende entstanden) sei ein "Synonym für die Entwicklung Falkensees". Die Zahl der Glieder der Heilig-Geist-Gemeinde hat sich seit der Wende von 900 auf jetzt rund 2600 erhöht. Sie ist jetzt die größte Gemeinde des Kirchenkreises Falkensee daran sei beispielhaft der Zuzug in der Gartenstadt ablesbar.

Der Entwurf für das Gemeindezentrum mit einer Grundfläche von 380 Quadratmetern stammt vom Architekten Hans Albeshausen aus Fankfurt/Oder. In dem lichten Gebäude wird es viel Glas und einige Schiebetüren geben, das Fassungsvermögen lässt sich für bis zu 300 Menschen erweitern. Das Haus löst die 1951 entstandene Holz-Notkirche ab, die viel zu klein geworden war. Pfarrer Völkel, der lange daran gewirkt hatte, erinnerte gestern daran, dass es bereits 1991 erste Überlegungen gab, einen Neubau zu errichten. "Damals ist uns das leider nicht gelungen", sagte er und fügte fast neidvoll mit Blick auf den robust wirkenden Rohbau an: "Ich weiß, was ein dichtes Dach wert ist."

Sein Nachfolger, Pfarrer Wolfram Fromke, richtete seinen Dank an alle, die diesen Bau ermöglichen und daran beteiligt sind. "Bei der Grundsteinlegung waren wir noch von der Hoffnung bestimmt, dass mal was kommt, wir haben uns mit viel Phantasie Mut zu gesungen: ,Vertraut den neuen Wegen . . ." Nunmehr stehe die äußere Hülle. "Jetzt können wir das Neue erkennen." Der Weihnachtsgottesdienst soll bereits im dafür hergerichteten Kirchraum gehalten werden. "Im späten Frühjahr 2008" soll alles fertig sein bis dahin sei es aber noch eine lange Wegstrecke, sagte der Pfarrer. Jetzt gehe es darum, das Haus dicht zu bekommen, es "mit und unter Gottes Segen" mit Wärme und Licht zu füllen. "Denn wenn der Herr nicht das Haus baut, so bauen umsonst die, die ein Haus bauen", zitierte Wolfram Fromke.

Knapp 500 000 Euro sind veranschlagt. Wolfgang Levin, der Vorsitzende des seit 2000 bestehenden Kirchbauvereins, übergab symbolisch 80 000 Euro, die aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Zinserträgen und Veranstaltungserlösen stammen. Noch reichten die Mittel nicht aus, um alles wie gewünscht zu beenden. So fehle zum Beispiel das Geld für den Glockenturm und die künstlerische Ausgestaltung. Wolfgang Levin: "Wir haben weiterhin den festen Willen, etwas zu bewegen."

Märkische Allgemeine vom 27. Oktober 2007

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