Der Evangelist neben dem Engel

Restauratoren sind in der Philippsthaler Kirche dem Original auf der Spur

JENS STEGLICH

Wandmalerei in der Philippstaler Kirche 
Die Restauratorinnen Elka Beutel (r.) und Maria Knackmuß haben eine Wandmalerei in der Philippstaler Kirche von der Patina der Jahrhunderte befreit.
Foto: DSJ

PHILIPPSTHAL Am Philippsthaler Gotteshaus haben Restauratoren erneut ein Stück alte Herrlichkeit wiederhergestellt. Sie bemalten die Säulen der Empore und das Gestühl auf der linken Seite nach historischem Vorbild. Beides sieht nun aus wie 1904, als die kleine Kirche erbaut wurde. Auch die Konturen eines der 2004 entdeckten Engel und dessen Umfeld sind komplett freigelegt worden und jetzt deutlicher zu sehen. Die Wandmalerei vor allem der äußere Rahmen um die Engelsfigur herum wurde auf einer Fläche von zwei Quadratmetern einer so genannten Punktretusche unterzogen. "Bei einem solchen Verfahren werden die Fehlstellen durch kleine Farbtupfer geschlossen", sagte gestern Elka Beutel vom Restauratoren-Team der MAZ.

Finanziert wurde dieser Abschnitt der Sanierung mit 2800 Euro Spendengeldern von Kirchengemeindemitgliedern und mit 2000 Euro Fördermitteln vom mittelmärkischen Denkmalschutz.

Die Entdeckung der Engel hatte im Jahr 2004, als die Kirche 100 Jahre und Philippsthal 250 Jahre alt wurden, für Aufsehen gesorgt. Ursprüngliche Wand- und Deckenmalerei war wieder ans Licht befördert worden, die sich lange Jahre unter Farbschichten und unter Putz verbarg. Damals dachte das Restauratoren-Team an Engelsköpfe. Heute vermuten Experten, dass es einst fünf Köpfe auf beiden Seiten der Innenwände waren und können mit Bestimmtheit sagen: Auf der rechten Seite sind drei Köpfe erhalten geblieben, zwei fehlen.

Und wer einst neben dem einen, heute am deutlichsten sichtbaren Engel seinen Platz fand, da sind sich die Experten nicht mehr sicher. Restauratorin Maria Knackmuß vermutet nun an dieser Stelle Lukas, einen der Evangelisten, der als Stier dargestellt ist. Die Vermutung liegt nahe, weil die dort freigelegten Fragmente deutlich die Konturen von Hörnern haben. Vielleicht, sagt sie, befanden sich im Original zwischen den Engeln die Evangelisten.

An der linken Wand ist derzeit weniger zu sehen, dort steht noch die Feinreinigung aus. Elka Beutel glaubt aber nicht an einen weiteren Glücksfall wie vor drei Jahren, als ein Engelskopf mit einem Heiligenschein aus Blattgold deutlich sichtbar zum Vorschein kam. Auf der linken Seite sei von der ursprünglichen Malerei deutlich mehr kaputt. Die Restauratorinnen haben die Arbeiten jetzt erst einmal beendet, bis wieder Geld für den nächsten Sanierungsabschnitt da ist. "Wir gehen ohne Zeitdruck Stück für Stück vor." Zu tun gibt es noch genug. Am Altarraum könnten zum Beispiel die noch fehlenden Sterne nachgearbeitet werden, die auf einem Foto von der Einweihung der Kirche im Jahre 1904 deutlich zu sehen sind.

Märkische Allgemeine vom 30. Oktober 2007

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