Kirchengemeinde will Jubiläum im Advent feiern

Fast vergessen: Der Liesker Kirchturm ist 300 Jahre alt

2007 ist ein Jubiläumsjahr für die Liesker: vor 300 Jahren wurde ihr Kirchturm erbaut. Über die genauen Umstände schweigen jedoch die Akten. Dennoch soll das Ereignis, wahrscheinlich an einem Adventssonntag, würdig begangen werden. Darüber hinaus könnte bald eine Chronik in der Kirche Auskünfte über das kleine Gotteshaus im Fachwerkstil geben.

In Lieske wird in Kürze der 300. Geburtstag des Kirchturms gefeiert 
In Lieske wird in Kürze der 300. Geburtstag des Kirchturms gefeiert. Mitglieder der Gemein-de haben zur Geschichte des Baus ausführlich recherchiert.

«Die Eheleute Dieter und Sigrid Wagner sind die gute Seele der Kirche. Ohne ihre Recherchen hätten wir möglicherweise das Jubiläum des Liesker Kirchturms verpasst» , erzählt Sabine Schuke, Pfarrerin im Pfarrsprengel Welzow, Proschim und Lieske. «Natürlich wollen wir die 300. Wiederkehr des Turmbaus feiern» , kündigt sie an. Das könnte beispielsweise an einem Sonntag im Advent geschehen. Die Pfarrerin denkt dabei an einen festlichen Gottesdienst oder an einen gemütlichen Leseabend.

«Bislang ist auch uns das Turmjubiläum fast durch die Finger gerutscht» , gibt Sigrid Wagner zu. «Aber natürlich freuen wir uns, wenn es in Lieske eine entsprechende Festveranstaltung gibt.»

Im Dunkel der Vergangenheit

Seit einiger Zeit recherchiert das Ehepaar Wagner Daten zur Geschichte der Liesker Fachwerkkirche. «Wir kennen allerdings nur die Jahreszahl des Turmbaus. Mehr ist uns leider nicht bekannt» , sagt Dieter Wagner. «Nur soviel» , ergänzt seine Frau, «in früheren Jahren sind die Leute immer durch den Turm in die eigentliche Kirche gelangt.»

Bis heute besteht er, mit Ausnahme seiner Ziegeldachabdeckung, aus Holz. Der Holzturm beherbergt zwei Glocken: eine kleinere aus Kupfer (von 1717) und eine aus Gusseisen. «Sie ist aber nur eine Kopie» , erzählt Dieter Wagner. «Das Original wurde im Zuge des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen» , fügt er an. Die Wagners betreuen bis heute die Glocken selbst. Darüber hinaus wird im Turm der Taufstein aufbewahrt.

Alte Liesker wissen manches

Neben dem «Geburtsjahr» des Turmes konnten Dieter und Sigrid Wagner weitere Daten zur Kirchengeschichte recherchieren. «Wir haben dabei auch die alteingesessenen Liesker wie zum Beispiel die Familie Kusnow befragt» , erinnert sich Sigrid Wagner. Die Lieskerin Hertha Petschick hat darüber hinaus historische Kirchenfotos, darunter eine Innenansicht aus dem Jahr 1952, zur Verfügung gestellt. Die Bilder sind seit kurzem in der Kirche ausgestellt.

Die Wagners selbst stammen ursprünglich aus Sorno, einem Dorf, dass Anfang der 70er-Jahre dem Tagebau Sedlitz weichen musste. Schon dort hatten sie sich eigenen Angaben zufolge sehr für das kirchliche Leben engagiert. Immerhin sei mit dem «Entschädigungsgeld» der abgerissenen Sornoer Kirche das Liesker Gotteshaus saniert worden. «Unser damaliger Pfarrer Karl-Heinz Krüger hat sich dafür sehr eingesetzt» , so Sigrid Wagner. 1973 begann die Generalreparatur, nachdem die Liesker Kirche drei Jahre zuvor wegen Schwammbefall und Fäulnis geschlossen werden musste. Die Einweihung erfolgte am Ostersonntag, dem 14. April 1974. Erst seit dieser Rekonstruktion ist auch die charakteristische Fachwerkbauweise wieder sichtbar geworden.

Somit wird es im Jahr 2009 erneut ein Jubiläum in Lieske zu feiern geben, nämlich der 35. Jahrestag der Wiedereröffnung. Immerhin ist dann der Ostersonntag lediglich zwei Tage früher als 1974, nämlich am 12. April. «Das ist doch ein schönes Datum zum Feiern» , sagt Dieter Wagner.

Zum Thema: Bauwerk mit Geschichte

Die Liesker Fachwerkkirche ist laut der Chronik im Jahr 1695 entstanden. 1928 wurde das Kirchengebäude mit Mörtel abgeputzt. Gleichzeitig erhielt das Dach kompakte Ziegel. Der Glockenturm lagert hingegen auf Hölzern. Er ist vollständig mit Holz verkleidet. Seit dem Jahr 1985 gibt es in ihm die elektrische Läute-Anlage.

Lausitzer Rundschau vom 03. November 2007

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