Kleine Kirche, großer Streit

Förderer der St.-Georgs-Kapelle fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen

ARIANE MOHL

NEURUPPIN Die Fronten im Streit über die Nutzung der St.-Georgs-Kapelle in Neuruppin verhärten sich. Mit einem offenen Brief hat sich Hartmut Wiegank, der Vorsitzende des Freundeskreises der Kapelle, am Montagabend mit einem offenen Brief an die Neuruppiner Stadtverordneten gewandt. Die Mitglieder des Vereins fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen. "Die Stadt hat es noch nicht einmal für nötig gehalten, uns über den Verkauf der St.-Georgs-Kapelle zu informieren", sagte Hartmut Wiegank der MAZ. Der Verein wisse bis heute nicht, wer denn nun laut Grundbuch der neue Eigentümer der Kapelle sei.

Auch sonst spart der Vorsitzende des Freundeskreises nicht mit Kritik an den Stadtoberen. Seiner Meinung nach hätte die Stadt die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kapelle niemals verkaufen dürfen. "Man kann ein Gebäude von solch großer historischer Bedeutung doch nicht einfach an einen privaten Investor verschleudern", schimpft er. Die Stadt sei auf dem besten Weg, ihr Tafelsilber zu verschleudern. "Das ist verantwortungslos hoch drei."

Stadtsprecher Andreas van Hooven weist die schweren Vorwürfe der Vereinsmitglieder entschieden zurück. Seiner Meinung nach hat die Stadt alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Interessen des Freundeskreises zu wahren. Auf Betreiben der Stadt ist eine Klausel in den Vertrag aufgenommen worden, die die Nutzung der Kapelle durch die Mitglieder des Vereins auch in Zukunft sicherstelle. "Warum der Freundeskreis diesen Vertrag gekündigt hat, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen", sagt der Rathaussprecher.

Für Hartmut Wiegank ist van Hoovens Hinweis auf diese Schutzklausel der blanke Hohn. "Die Stadt hat dem neuen Eigentümer der St.-Georgs-Kapelle vertraglich zugesichert, dass er uns mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist vor die Tür setzen kann", empört er sich. Es liege auf der Hand, dass der Verein seine Arbeit unter diesen Bedingungen nicht fortsetzen kann.

Am 5. Dezember wollen die Mitglieder des Freundeskreises überlegen, wie es mit der kleinen Kapelle weitergehen soll. "Wir erwarten, dass der Eigentümer uns ein Konzept vorlegt, aus dem klar hervorgeht, was er mit der Kapelle vorhat." Wiegank schätzt, dass der Verein der Stadt Kosten von rund 30 000 Euro erspart hat. "Bis heute hat sich die Stadt mit keinem Wort für unser jahrelanges Engagement bedankt."

Märkische Allgemeine vom 08. November 2007

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