Kirche als Gemeindezentrum

Kurt Zander aus Brügge: "Wir müssen jetzt über eine Summe reden"

CLAUDIA BIHLER

BRÜGGE Als Jürgen Kübart vom kirchlichen Bauamt der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg das erste Mal nach Brügge kam, da schien es zunächst klar: eigentlich gibt es für den geraden, schlanken Feldsteinbau der Brügger Kirche keine andere Alternative, als sie dauerhaft zum offenen Denkmal zu machen.

"Als er jedoch in dieser Woche wieder hier war, da schaute er ungläubig", meint Kurt Zander, Mitglied im Gemeindekirchenrat: "In den vergangenen Monaten ist hier nämlich viel passiert." Denn die Brügger wollten nicht einfach zusehen, wie die Kirche in der Mitte ihres Dorfes dem Zerfall überlassen wird: "Und nicht warten, bis das Dach eingestürzt ist, wie die Mauerkronen befestigen und das ganze dann als Ruine eröffnen."

Unverhoffte Unterstützung gab es seitens der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises, und von einem Studenten, der im Rahmen seines Studiums die Kirche nun zum Objekt seiner Diplomarbeit auserkoren hat. All dies führt nämlich dazu, dass es inzwischen eine beträchtliche Sammlung von Informationen rund um die Kirchenanlage gibt, die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde.

In den vergangenen Monaten hat unter anderem auch der Verein für Natur-, Landschaftssschutz und Denkmalpflege in Streckenthin am Grundstück gearbeitet, das im übrigen nicht nur aus der Kirche, sondern zudem aus einem Schulgebäude und einem Stall besteht. Alles gemeinsam ist auf einer weitläufigen Grünfläche mit alten Bäumen angeordnet ein echter Dorfmittelpunkt.

In den vergangenen Monaten wurde also beräumt inzwischen ist das Ensemble wieder gut sichtbar in seiner ehemaligen Ausprägung und bildet, umrahmt von alten, herbstliche gefärbten Bäumen, ein echtes Schmuckstück im Dorf.

Allerdings derzeit vor allem äußerlich", sagt Zander. Zwar waren in den vergangenen Monaten Sicherungsarbeiten am Dach und an den Fenstern gegen Regen und Vogelflug sowie für die Belüftung durchgeführt worden. "Auch die Schadensgutachten liegen uns bereits vor", sagt Kurt Zander, "aber jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir über eine größere Summe reden müssen", sagt Zander. Bei dieser handelt es sich um rund 200 000 Euro.

Um Überzeugungsarbeit zugunsten des Baus zu leisten, hatte er diverse Kirchenvertreter, darunter auch den evangelischen Pfarrer aus Freyenstein, Christian Ruch, zur Ortsbesichtigung eingeladen.

"Wir möchten die Kirche Stück für Stück zu einem Gemeindezentrum entwickeln", sagt er, "nicht nur für kirchliche Veranstaltungen und Gottesdienste, sondern als Mehrzwecksaal auch für andere Anlässe von der Hochzeit bis zur Weihnachtsfeier." Ein solcher Gemeindesaal fehlt im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern im Amt Meyenburg in Brügge derzeit noch, provisorisch war er schon einmal im Schulgebäude eingerichtet worden. Doch weil es noch keinen wirklichen Saal gibt, rechnen sich die Brügger nicht nur gute Chancen aus, dass sie Geld aus kirchlichen Kassen und aus Spenden sammeln können, sondern bauen auch darauf, dass sie die Politik davon überzeugen können, in den Bau zu investieren.

Auf alle Fälle aber soll nun ein Verein gegründet werden, der sich unter anderem mit einem Nutzungskonzept für das ganze Ensemble befasst. Die erste Feier wurde erst kürzlich in der Kirche durchgeführt die Dekoration hängt noch an den Wänden und auch ein kleiner, provisorischer Altar steht noch im Raum.

Ein kleiner Baustein ist nun in dieser Woche hinzugekommen. Mit Mitteln des Landkreises wurde eine Restauratorin beauftragt, Untersuchungen im Inneren der Kirche durchzuführen. Erste Ergebnisse: Corinna Streitz hat eine schlichte Innenbemalung gefunden, die "der Zeit entsprechend" die äußere Architektur des Gebäudes ergänzt und mit ihr eine Einheit bildet."

Märkische Allgemeine vom 09. November 2007

Die "Brügger Chronik" in der Märkischen Allgemeinen:
14. Oktober 2006: Brügger Kirche ist in erbärmlichem Zustand
01. Dezember 2006: Informationstreff und Arbeitseinsatz in der Brügger Kirche geplant
09. Dezember 2006: Knapp 20 Brügger trafen sich gestern zum Arbeitseinsatz in der Kirche
16. Dezember 2006: Orgelbauer Heerwagen errichtete auch das Instrument in der Kirche in Brügge
01. August 2007: Rund um die Kirche in Brügge wird aufgeräumt

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